Anstalten wird das körperliche Bedürfniß überAlles, das geistige für nichts geschätzt. Daher diesteigende Nrmuth der Armen, je mehr sie erwerben lernen;daher die Stumpfheit ihres Geistes, indem man sic gewöhnt,Sklaven und Maschinen zu sein; daher die Verwilderung ihrerSitten; daher die Rohheit ihrer Begierden; daher das Viehischein ihren Vergnügungen, wo Spiel und Rauferei, Sauf undFraß den Inhalt ihres Genusses ausmachen; daher ihr Elend,ihre Zwietracht, ihre Unordnung im häuslichen Leben; daherendlich der Reiz, sich fremden Eigenlhums durch Betrug oderGewalt zu bemächtigen, daß Stehlen unter ihnen oft nicht mehrentehrt, wenn es nur uncntdeckt bleibt, und Räubereien'zumHandwerk werden. Ihr menschenfreundlichen Obrigkeiten, ihrvielvermögendcn Edcln, werfet einen Blick auf die untern Volks-klassen — welches Elend, welche Verstandesverfinsterung, welcheSinnesroheit, welche Sittcnlosigkeit, welche gräuclvollen Lasier!Und auch sie sind doch Erschaffene Gottes, Berufene zur Ewig-keit, Theilnehmer an Jesu Christo, unsere Brüder!
Nicht aus dem Mangel der ersten Lcbensnothwcndigkeitenentspringen die Gefahren der Armuth — denn was zurLcibcsnothdurft und Nahrung gehört, wird leicht gefunden underworben; sondern sie entstehen aus der falschen Hilfe,die man den vermeinten Armen reicht. Und falscheHilfe ist cs, wenn man Almosen gibt ohne Arbeit, Arbeit gibtohne Unterricht, Unterricht gibt ohne Gewöhnung zur Sitten-strenge und Genügsamkeit.
Almosen ohne Arbeit sind Besoldungen desMüßiggangs; Müßiggang aber wird mit Recht aller LasterAnfang geheißen. Nicht die Armuth macht den Bettler zumPrasser, zum Zeitvcrschwendcr, zum Wollüstling: sondern euerunverdientes Almosen. Leicht erworben, leicht durchgebracht.Der gcborne Bettler hat von: Werth und rechten Gebrauch zeit-licher Güter eben so wenig richtige Vorstellungen, als d.r gcborneRe:che, der in Uebersluß erzogen wird. Beide sorgen um keinenkünftigen Morgen, denn sie wissen schon vorher, wo w eder