bürgerlichen Gesellschaft keine Auszeichnung, als welche dir durchdeine Geschicklichkeit und Rechtschaffenheit zu Hheil wird. Lernenur klar erkennen, wie nichtswürdig die Guns/der Großen oderdie Ehrenbezeugung des Volkes ist, und wie da^im Grunde Einerden Andern zu täuschen pflegt, und du ivirst keinen Augenblickanstehen, diese Herrlichkeit, der so manche Tugend geopfert wird,zu verachten. — Du weißt es, du fühlst es, du sichst es anAndern, daß keinesweges der Vornehme, der im hohen Rang, inEhrenstcllen Lebende die aufrichtige Hochachtung der Menschengenießt, sondern sowohl bei Hohen als Niedern nur derjenige,welcher durch unbescholtene Tugend, durch vorzüglich edelmüthigeHandlungsweise bekannt ist. Dahin lenke sich dein Ehrgeiz.Bist du aber von solchen Ansichten der Welt geleitet, ist christ-licher Edelsinn dein Stolz: wahrlich, dann wirst du am wenigstennach menschlichem Beifall und Lob schmachten; dann bist duunabhängig vom Urtheil der Menge, denn du kennst ein Urtheil,an dem dir mehr gelegen ist — Gottes Urtheil, Gottes Beifall.
Wie könnte ich, mein Schöpfer, mein Vater, Dir anhängen,wenn ich von den Vorurtheilen oder Bosheiten der Welt abhängigbin! Und doch bin ich elend genug, daß mich meine Leidenschaftenvon Dir und meinem ewigen Glück entfernen, und mit knechtischenKetten an den Dienst der Welt fesseln. Vater, mein Vater,ich bin nicht würdig, Dein Kind zu heißen! Noch war ich zuselten durch Gewissenhaftigkeit erhaben,. durch Genügsamkeitreich, durch Bescheidenheit ruhmvoll. Der Geist Deines gött-lichen Sohnes war nicht in mir. O Geist Gottes, meinesVaters, Geist Jesu Christi, heiliger Geist, heilige auch mich,Saß ich entschlossen und muthvoll die entehrenden Bande breche,die mich an das Nichtswürdigste des Lebens und an mein Unglück -festketten. Amen.