schmeicheln sich, ver erborgte leiste ihnen dieselben Dienste,und bemerken nicht, daß der wenige, weichen sie haben mögen,zu nichts wird, indem sie sich durch Großthuerei verächtlichmachen.
Doch wer möchte oder könnte alle die verschiedenen Fälleaufzählen, wo Menschen, durch ihre Schwächen und Leiden-schaften verführt, ihren eigenen bürgerlichen und sittlichen Werthaufopfern, Knechte fremder Willkür, anderer Leute Sünden-diener und selbst Verbrecher werden! In allen Ständen gibtes dergleichen, an den Höfen der Fürsten, in den Gaffen derDörfer.
Mit dem Zustande solcher schimpflichen Abhängigkeit ist aberdas wahre Christenthum unverträglich. Die Ausübung derGebote Jesu ist ihm größtcntheils unmöglich.
Frei muß sich der Christ inner den Schranken bürgerlicherOrdnung bewegen und seinen bessern HZillen vollstrecken können. -Wehe dem, welchen ein böses Gewissen, knechtische Furcht,Eitelkeit, Bettelstolz, Hunger oder Faulheit zum Sklaven einesfremden Willens macht! Er muß die Thvrheiten und SündenAnderer mittragen helfen, und kann nie die Süßigkeit desTriumphes genießen, welchen die Tugend bereitet.
Das ist die Hoheit des Christen in der bürgerlichen Welt,daß er Jeden liebt, Jeden nach seinem Verdienste schätzt, aberkeinen Sterblichen fürchtet. Er darf mit heiter», Auge kühnseinem Feinde ins Auge schauen, ohne Furcht vor dem Throneder Könige und unverzagt vor jedem Richterstuhle stehen. Erkann zu dem Mächtigen sprechen, der seinen Willen zu einer.ungebührlichen That aufbietet: „Ich will nicht!" und derMächtige muß ihn ehren. Er kann zu den, Reichen sagen:„Ich verschmähe deine Geschenke, denn mein Gewissen ist mirmehr werth, als all' dein Gold!" und der Reiche muß vor derTugend de sAcrmsten hochachtungsvoll verstummen. Sein Wortgilt, sein Ja ist heiliger, denn Brief und Siegel unlautererMenschen; im schlechtesten Gewände geht er mit edelm Stolzeneben den Schwächlingen hin, die in Seide und Gold vorAndern kriechen. Er bedarf keiner andern Gnade, als der Gnade