Druckschrift 
1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
96
Einzelbild herunterladen
 

96

gegenseitige Vertraulichkeit unterbrechen könnte, ohne welche daseheliche Leben eine Hölle wird. Und die Bande der Liebe undZuversicht auf das festeste zu knüpfen, ist der sicherste Weg, demGatten ein immer offenes Herz zu haben; keine Geheimnisse,auch die unschuldigsten nicht, für ihn zu haben ; nichts zu thnn,das sie vor ihm zu verhehlen Ursache hatte, und selbst den Fehler,wenn er begangen wird, ihm nicht zu verbergen dies Alles,um nie seinen Argwohn zu reizen, nie seine Zuversicht wankendzu machen. Ein cinzigesmal das Vertrauen getäuscht, machtJahre lang Mißtrauen. Oft ist ein geringes Mißverständnis),weil man zu schüchtern, oder zu stolz, oder zu eigensinnig war,sich einander offenherzig mitzutheilcn, der Grund zu einer lebens-langen, unglücklichen Ehe geworden. Denn ein einziger falscherSchritt zieht oft auf beiden Seiten den zweiten und dritten undtausendsten nach sich.

Gütig sein soll sie gegen die Kinder. Ach, einem Mutter-Herzen darf ja die Liebe nicht empfohlen werden gegen diejenigen,welche ihm Gott gab. Aber wohl Vorsicht in dieser Liebe, daßsie nicht in Verzärtelung und gefährliche Nachsichtigkeit gegenFehler entarte; Vorsicht in dieser Liebe, daß sic nicht ein Kindvor dem andern begünstige und größere Zärtlichkeit einem alleingewährt. Diese Vorliebe für ein Kind ist, zumal wenn sic aufunkluge Weise geäußert wird, ungerechte Härte gegen dasmindergcliebte, ist das erste Verderben in der Kindcrzucht, undhat auf die Gcmüthsart der Jugend, ohne daß man es leichtbemerkt, den nachtheiligstcn Einfluß. Oft sind auch die verstän-diger» Mütter schwach genug, diesen Fehler zu begehen um sosorgfältiger muß das Herz gegen ihn bewacht werden.

Gütig sein soll sie gegen die Dienerschaft, ohne Heftigkeitund schnöde Aeußerungen des Stolzes und der Herrschsucht.Das herrschsüchtigc Weib, welches sich gern dafür erkennenläßt, daß es Alles thue. Alles leite, hat bald die Herrschaftcingcbüßt, denn Jeder sucht sich derselben zu entziehen, weildas Gefühl und der Selbstwcrth eines Jeden gekränkt wird.Das herrschsüchtigc Weib verewigt den Unfrieden im Hause,weil Jeder statt Liebe innern Widerwillen zurückgibt, und zwar