selbst Ehebrecher: wie mag er ohne Gewissenspein das Wortgeqcn den allzufreicn Lebenswandel der Seinigen erheben? wiemag er das Entsetzen der Eifersucht von den Schwellen seinesHauses verbannen? wie sich die Ehrfurcht des höhnenden Ge-sindes bewahren? Ist er selbst launenhaft, zänkisch, mürrisch:wie kann er von Gattin, Kindern und Hausgenossen freundlicheBlicke fordern, da er selbst der Störer ihrer Heiterkeit ist undoft aus bloßem Eigensinn gegen sie hart und ungerecht war? Ister selbst Verschwender, liebt er Zerstreuungen und Vergnügenmehr als anhaltenden nützlichen Fleiß und Erwerb; liebt ereinen Aufwand, eine Pracht in Geräth und Kleidern, welcheseinen Vermögenszustand zerrütten können; Gesellschaften undLustbarkeiten, die ihn von der sorgfältigen Verwaltung seinesHauswesens abziehen; ist er Spieler, der den größten Theilseines Erwerbes, statt ihn zweckmäßig anzuwenden, dem blindenGlücke anvertraut; ist er prahlhaft und stolz, daß er für inehrgehalten werden möchte, als er wirklich besitzt und ist: wie kanner verhindern, daß -seine Kinder nicht dem gefährlichen Beispielefolgen? — wie verhindern, daß seine Untergebenen nicht Miß-brauch von seiner Sorglosigkeit machen, ihn übervortheilen, sichauf seine Kosten bereichern lind den Untergang seines Vermögensund seiner Ehre öffentlich und heimlich befördern helfen?
Wehe, wo in einem Hause das Haupt der Familie fehlt;wo der Erste zugleich der Schlechteste unter den Genossen ist;wo, wer die Ehre Aller schirmen sollte, derjenige ist, welchersie zuerst befleckt! Da wohnt Gottes Segen nicht, da herrschtzerstörender Fluch!
Wehe, wo der Familienvater seine tiefe Unwürdigkeit injedem ruhigen Augenblicke empfinden muß, und den einzigendemütigenden Trost hat, daß seine Gattin, seine Kinder beper,edler als er sind Mag er die Schmach lange ertragen, ohnedaß sie ihn erdrückt? Muß das Gefühl seiner schmählichen Ver-worfenheit nicht zuletzt schmerzlicher werden, als die Wollust süßist, die er aus der Hand seiner Laster gcn cßt?
Einfalt und Lauterkeit, ein Wandel ohne Tadel, voller-Ehrbarkeit und Zucht, bringen den Himnul in das he.u.ll.che