Druckschrift 
1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
66
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Das Vergnügen soll uns nach der Arbeit erquicken, soll unszu unserm Berufe stärken. Tägliche Lustbarkeiten, tägliche Zer-streuungen und Feste werden uns, statt zur Erquickung, eineArbeit, ein ermüdendes, erschlaffendes Tagewerk, und endendamit, daß sie unsern Sinn für den Genuß der Freude abstumpfen.

Auch mitten im Taumel des Vergnügens, mit-ten in der Fröhlichkeit der Gesell schaft, behält derChrist seine besonnene Fassung. Er vergißt sich selbstnie zu sehr, und tritt leise zurück, sobald er fühlt, seine Freudeentarte in eine wilde Lustigkeit, in eine Ausgelassenheit, worin erselbst weder seiner Zunge noch seiner Thaten Herr bliebe.

Obgleich er nicht die Anlässe sticht, von Herzew fröhlich zwsein mit den Fröhlichen, haben doch allezeit diejenigen Freudenfür ihn den höchsten Werth, welche, ohne eben rauschend zu sein,die längste Dauer haben, ohne eben das Gemüth zu außer-ordentlicher Lustigkeit zu stimmen, einen stillen reinen Genußgeben, und noch lange nachher durch die Anmuth der Erinnerungwohlthun.

Und dahin will ich die stillen Freuden des häuslichen Lebens,das Vergnügen an nützlichen Arbeiten, die Lust des stillen Wohl-thuns zählen, überhaupt das himmlische, reine Entzücken zählen,welches aus der Begehung tugendhafter Handlungen, aus dir,o Religion Jesu, meines Beseligers, quillt. Die Zufriedenheit,welche ich Andern bereitete, ich habe sie mir selbst bereitet; dieFreude, welche ich Andern machte, ich habe sie mir selbst gemacht;die Thränen, welche ich von fremden Wangen trocknete, ich habesie mir selbst abgetrocknet. Ja, die Hand voll Freuden, die ichauf der Laufbahn meines Lebens ausstreutc, sie kehren nachJahren und Tagen als ein Meer von Seligkeiten zu mir zurück.

Warum denn, da meines Gottes Güte nur schon zu dieserWelt so tausend Freuden zum Genuß darbietet, warum sollteich nicht die edelsten, die ungetrübtesten, die dauerhaftesten fürmich erwählen? Warum denn, da ich Mittelgeschöpf, daszwischen Thier und Engel schwebt, zwischen den Vergnügungen,des Thieres und des Engels wählen kann, sollte ich nicht dieFreuden höherer Geister vorziehen? Und welches können die