28
aber das Gedächtnis einmal ergriffen, das kann der Mund leichthersprcchenohne daß der Geist dabei gegenwärtig ist,.
Wie? und heißt es nicht Gottes spotten, wenn du ihnanredest, ohne an ihn zu denken? Die Andacht verschwindet,wenn das Gemüth zerstreut ist, und die Zerstreuung findet sichoft wider unfern Willen ein, wenn der Geist nicht zum Nach-denken und zur Aufmerksamkeit gelockt wird. Lieber ein einzelnner, inniger Gedanke an Gott, lieber ein stummer Seufzer zuihm, als ein andachtloses Gebet.
Ist der Vater oder die Mutter nicht immer fähig odergestimmt, ein Gebet aus dem Herzen zu sprechen, wie es ihrejedesmaligen Empfindungen mit sich bringen, so fehlt cs nichtan trefflichen Gebetbüchern, von würdigen, frommen, geist-vollen Männern geschrieben. Diese erleichtern und verschönerndurch die Anmuth und Kraft ihrer Gedanken unsere Andacht.Ihre Empfindungen werden zu unfern Empfindungen, ihreGedanken zu unfern Gedanken. Das gemeinschaftliche Gebet indem Kreise unserer Verwandten und Hausgenossen läßt in derSeele einen schönen Nachklang zurück. Auch einsam werdenwir für uns in der Stille noch manche einzelne leise Bitte demallwissenden Gott vortragen, der den Zustand unsers Herzensund die Angelegenheit desselben kennt.
Eben deswegen ist es schön, wenn fromme Mütter früh arwfangen, ihre Kinder zu lehren, einige Worte des Gebetes ausfreiem Herzen zu Gott zu sprechen, nicht etwa eine auswendiggelernte Rede, sondern den Ausdruck einer eigenen Empfindüng. Nichts kann einer Mutter, nichts einem Vater rühren-der sein, als wenn ihr Kind am Abend auch nur eine einzelneBitte zu Gott stammelt; wenn es mit gefallenen Händen zuseinem himmlischen Vater nur wenige Worte spricht.
Doch nicht aufs Gebet allein beschränkt sich die häuslicheAndacht christlicher Familien; es gibt unzählige Anlässe, Gottes-Verehrung in lieblicher Einfalt zu üben. Es ist zu dem Endenicht nöthig, daß man den Namen Gottes beständig und beijeder Gelegenheit im Munde führe. Dies Herr! Herr! sagenkann zuletzt, wie Alles, Gewohnheitssache werden, die immer