Vorrede Zu den ersten Ausgaben.
^)ch war in den Palästen der Großen, in den Feldlagern derKriegöheere, in den Werkstätten friedlicher Bürger, in denHütten der Armuth. Ueberall fand ich Genrüther, bereit undgeneigt zu heiligen Unterhaltungen; überall Sehnsucht zur Ver-besserung des Herzens, Hinstreben einer bekümmerten Seele zurVersöhnung mit sich selbst, zur Vereinigung mit Gott; überalldas ewig laute Bedürfniß, nicht dieser Welt allein, sondernauck den Tagen einer künftigen Welt zu leben, welche unfehl-bar uns erwartet nach den großen Verwandlungen, die wir inder Todesstunde erleiden.
Aber jene Sehnsucht der Menschen war leider nur Sehnsuchtund Bedürfniß des Augenblicks. Es kam ein zweiter Augenblick,und die heiligen Entschlüsse waren im Gedränge anderer Um-stände und Zerstreuungen verloren und vernichtet. Ein anderesHerz schien oft der Mensch in seiner Brust zu tragen, wenn erim Tempel sich vor dem Allerheiligsten beugte; ein anderes,wenn er aus den Pforten der Kirche in das Geräusch des alltäg-lichen Lebens hinaustrat.
Ich fand überall zwar Religion, aber selten Religio-sität; Gottesfurcht, aber selten Gotteslieoe; heiligenVorsatz, selten heilige That; Christi öffentliche Bekenner,selten Christi Jünger und Nachfolger.
Nicht vergebens erheben sich tausend Stimmen klagend überden Verfall des Christenthums in unfern Tagen. — Sie klagenmit Recht. — Ich sehe von der einen Seite nur Leichtsinn,Gespött, Eigendünkel und seltsames Bemühen, die warnende