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Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
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Ich antworte: der menschliche Wille hat zween Endpunkte,wohin er neiget, einer ist die Kreatur und die Ze>t, undder andere Gott. Hat nun der Wille sein Absehen aufdas Irdische und die Zeit, dann ist er allerdings beweg-lich und irdischer Sinn, und irdische Neigung vermag alssolche nie ein wesentliches Werk zu wirken, das gehetüber sein Vermögen, und darüber hinaus rann kein Dingwirken. Unstär und veränderlich ist die Zeit wie die Ge-schöpfe; ist nun der Wille eines' geworden mit diesen,so kann er auch in seinem Wirken nicht anders, dennunstät, beweglich und veränderlich, er kann nicht scllst-ständig, nickt wesentlich seyn: wer wesentlich w'rkenwill, muß einen unbeweglichen Willen haben, was ihmaber so lange nicht möglich ist, wie lange er noch andem Vergänglichen, an der Zeit und den Geschöpfen haf-tet. Der andere Endpunkt des Willens ist Gott: ist erzu Ihm gerichtet, dann ist er unbeweglich, wie Gott; dennBewegung hat nur die Zeit und die, die sich ihr hinge-ben. Ist aber der Wille erhaben über die Zeit und gerich-tet in die Ewigkeit, hat er sich erschwungen über alles Ver-gängliche und Zufällige, ist er eingedrungen in das we-sentliche Gut, nämlich in Gott, siehe da! nun wirket erauch mit Gott, und wie Gottes Werke wesentlich sind, sosind auch des Willens Werke wesentlich, unveränderlich,unbeweglich: das zuvor Unvollkommene, vereiniget mitdem Vollkommenen, wirket nun in der Kraft des Vollkom-menen. Und dieses wesentliche Wirken, und diese wesent-liche Frucht ist das Werk des göttlichen Lichtes in demWillen.

§. 8Y.

Was ist nun aber ein wesentliches Werk, und wannwirket der Mensch solches? Solches Werk wirket er, wenndas Wesen seiner Seele einfach, allein, stille, ruhig undrein ist. In dieser Einfachheit gemeinsamet er sich inund mit allen Dingen: denn je einfacher ein Ding ist, jegemeinsamer ist es mit allen; und obgleich es in alle Dingegleichsam getheilct ist, so bleibet es doch in sich eingetheilet

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