Alles hat seitdem sich umgewandelt, wir beidesind nicht mehr dieselben, und die Welt um uns her,ist eine andere geworden. Wären wir vor zwanzigJahren eingeschlafen, um, wie Epimenides, erstjetzt wieder zu erwachen, so würden wir glauben,ein Jahrtausend sey unterdessen über den Schläfernhingegangen: was wir suchten, würden wir nicht
mehr finden, was wir sähen, nicht mehr wieder er-kennen. Aber mitten in der neuen fremden Weltwürden wir wiedererkennen—- Du mich, ich Dich,und unsere alte, durch Liebe zur Wahrheit gestiftete,durch die Wabrheit selbst geheiligte Freundschaft.
Dessen zum öffentlichen Zeugniß weihe ich Dir,mein edler Freund, dieses Werk. Es sey Dein!ganz Dein! Und wenn dasselbe vielleicht als Werkdes Geistes nicht besteht; so gelte es wenigstens ft>viel, wie ein bescheidener Denkstein, aufgerichtet demFreunde von Freundes Hand, etwa zur Erinnerungan die heilige Stunde eines frohen Wiedersehens.
Ansbach den 1. Januar 1821.
von Feuerbach.