unrettbar verloren, weil cs nicht den Muth hatte, die alteTugend wieder zu erneuern. Heute ist das weiland blühendeGriechenland halb öde, und den Boden, welchen sonst dieWeisesten des Alterthums aller Nationen ehrwürdig machten,bewohnen heute die rohen, unwissenden Haufen der Türken.
Und auch Roms Macht ist g-fallen, welcher einst Jerusalem,wie das griechische Athen, unterthan waren. Zwar Nom stehtnoch, die Stadt ; aber nur ein trauriger Ueberrest, ein Denk-mal dessen, was es nicht mehr ist; sein Köstlichstes sind dieTrümmer des Alterthums. So stehen heute noch die RuinenAthens und Jerusalems.
Diese einzige Stadt überwand und beherrschte einst alle injenen frühern Zeiten bekannten Städte und Länder der Welt. Diegrößten Völker wurden den Bürgern dieser einzigen Stadt zinsbar.Das vermochte eine Stadt, deren Söhne die Unabhängigkeit vomfremden Zeptern mehr als das Leben, die Ehre, ein guterBürger zu sein, mehr als das Gold liebten. So lange hier dieMagistratspersonen, durch Weisheit und Unbestechlichkeit groß,nicht unrühmlich hielten, arm zu sein, während sie das Loosreicher Könige entschieden; so lange hier die Feldherren undSieger, nach den glänzendsten Triumphen, nicht für unwürdighielten, den Pflug selber auf den Acker ihres kleinen Landguteszu führen; so lange hier jeder Bürger nichts für sich, Alles fürseine Mitbürger that; so lange der Tod für Recht und Ehredes Vaterlandes das schönste Ziel des Lebens war, und ein Weiballes Unglück, aber nicht ihre Entehrung durch einen Wollüstlingüberleben mochte: so lange war Rom groß. Wie hätten auchandere Völker, in Weichlichkeit, thierische Gelüste oder roheWildheit versunken, Geistern von so hoher Kraft widerstehenmögen? Denn dem mächtigen Geiste ist das mächtigste Irdischeunterworfen. Ein Volk, das sich selbst beherrschen kann, einFürst, der Selbstbeherrschung fähig, kann allein Herrschaft übenüber Andere, die sich nicht selbst beherrschen, folglich zur Freiheitunfähig und zur Knechtschaft reif sind.
Als aber Rom anfing, mit Uebermuth, der aus langemGlück erwuchs, die Rechte anderer Völker zu verhöhnen ; als