Noch ist kein Land durch Gottesfurcht und Religiosität unter-geganzen; nein, ein religiöses Volk ist in seinen Sachen gerecht,und durch Zuversicht auf seine gerechte Sache stark und mächtig;seinen Gesetzen und Fürsten am gehorsamsten; seinen Verträgenmit dem Auslande am getreuesten. Darum genießt es dieAchtung und Liebe und Treue aller andern Nationen. Aberein Volk, wenn es in falscher Aufklärung seinem Glauben un-treu wird, abtrünnig seinen Altären, frevelnd an den Heilig-thümern der Menschheit, zerfällt in sich selbst durch Sitten-losigkeit. Ohne Furcht vor Gott und Recht, wie wird es seineObrigkeit fürchten? Gesetze gebieten umsonst, wo das Herz ihrerspottet; sic können einen äußerlichen Schein der Zucht erzwingen,aber nicht das Wesen der Vvlkszucht. In solchem Lande wirdsich endlich Jeder selbst sein Gott und seine Welt; — Allesein heimlicher Krieg Aller gegen Alle, und Auflösung folgt, oderKnechtschaft.
Die Sünde ist der Völker Verderben. — Ein-tracht hat noch kein Volk vernichtet, wohl aber manches, daski in gewesen, groß und herrlich gemacht. Aber wenn dieSelbstsucht der Bürger das Land entzweite und die Kräfte zer-splitterte, und Alle schwächte — dann war für Alle die Sklaven-kecte geschmiedet. — Sittenstrenge hat noch kein Volk ins Un-glück gestürzt, wohl aber auch in kleinen Völkern Vaterlandsliebe«nd Abhärtung bewirkt, mit welcher den größten Gefahren sieg-reich getrotzt wurde. Hing egen Ueppigkeit, Wollust, Scherz mitder Tugend, Schonung des Lasters, unmäßiger Aufwand nebenunmäßiger Dürftigkeit, haben schon m°hr als einmal Länderentvölkert oder zur Beute fremder Eroberer gemacht, oder ihrInneres blutig zerrüttet.
Das ist die ewige Ordnung der Welt, — das ist GotteSGericht über die Völker, indem jede Sünde das eigeneWürgerschwert führt, womit sie den Verehrer zum Schlacht-»p^er macht!
Bücke um dich her — erkenne Gottes Gericht! Wie dieTugenden eines Volkes den allgemeinen Segen auch über dasHaus der einzelnen Gottlosen verbreiten, so ruft die Sünde des