kein Ende. Er findet zu den blutigen Räthseln keine Schlüssel.Er wird von dem Strome der Zufälle umhergewirbclt; ringtsich müde mit den höchsten Wellen, ohne Zweck, ohne Hoff-nung , ohne Glauben an sich selbst; er sieht nur die Wellen,aber nicht das Ufer. Er weiß keine feste Maßregeln zu seinerRettung, zu seiner Beruhigung zu ergreifen.
Es ist Zeit, daß wir auf die Gerichte Gottes in den Ge-schichten der Welt merken. Denn Unwissenheit, thien'scher Sinnund Leidenschaften verderben täglich vor unfern Augen die Wahr-heit. Die Menschen Ln ihrem thörichten Selbsidünke! bilden sichein, daß sie es find, die Lies Alles, was vorgeht, hervvrbringen.Sie machen sich selbst zu Göttern. Frohlocken sie über einenSieg, so schreiben sie ihn der Tapferkeit ihrer Schagren, dergroßen Klugheit ihrer Feldherren zu; ach, sie sind blind fürdas Wahre, denn sie kennen nicht die Verflechtung der Umstände,nicht das Spiel sogenannter Zufälle, welche der dunkele Armder Vorsehung leitet, und wo eine unbemerkte, geringfügigeSache den Ausgang der größten Schlachten, das Glück oderUnglück der größten Völker entscheiden kann. Uebermüthig nachSiegen, welche sie sich und ihrer Kraft anrechnen, halten siesich schnell für unüberwindlich, und ahnen nicht, daß der nächsteLag Alles umkehren werde, weil ein Höherer über Sieger undBesiegte ein anderes Loos beschlossen hat. Kleinmüthig im Un-fall, klagen sie die Verrätherei oder Unklugheit ihrer Anführer,die Schwache ihrer Fürsten an; verzweifeln trostlos und stürzensich durch muthlose Schlaffheit in weit größeres Verderben.
Nein, ihr Betrogenen, was ihr sehet, ist nicht Menschenwerk,es ist Gottes Gericht über die Völker! Wie der einzelne Menschseinen eigenen Lebenslauf hat, so hat ihn auch jede einzelneNation. Wie der einzelne Mensch durch Weisheit, Zufriedenheit,Mäßigung, Fleiß, Muth und Rechtschaffenheit ehrwürdig undglücklich wird: so kann und muß auch ein ganzes Volk durchseine Tugend beglückt, durch seine Fehler elend werden. EinVolk steht unter andern Völkern, wie ein Mensch unter andern.Es bildet für sich selbst ein Ganzes. Es erfreut sich und leidetals ein Ganzes. Es wird für sein Gutes, welches es stiftet, in