Druckschrift 
8 (1837) Das Reich Jesu auf Erden
Entstehung
Seite
417
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Wie sollen wir uns dies erklären? Wie kann der Schlafende,mit geschlossenen äußern Sinnen, nicht nur sehen und hören, son-dern Alles viel bestimmter, sogar vollkommener, als wachend?_

Daraus, daß wir wissen, daß der Körper nichts Anderes, denndie äußere Schale oder Hülle der Seele sei; daß an sich selbstder Körper nichts empfinden kann, ohne die Seele, daß daSAuge des entseelten Leichnams so wenig sieht, als das Auge einersteinernen Bildsäule. Es ist also die Seele, und allein nur dieSeele, welche empfindet, steht und hört, was außer ihr vorgeht.Das Auge, das Ohr u. s. w. sind nur besondere, vvrtheilhafteEinrichtungen der äußern Hülle, um der Seele Eindrücke vonaußen aufzufangen. Es gibt aber Zustände, da die grobe Hüllegebrochen, und in sich schadhaft ist; da die Seele gleichsam ausderselben hervordringt, und ihr Geschäft fortsetzt, auch ohneDazu die äußern Sinnenwerkzeuge zu gebrauchen. Sie wirdauch wirksamer auf ganz andere Arten von Nerven, als imgewöhnlichen oder wachenden Zustande, und knüpft an die indenselben erhöhte Pflanzenlebenskrast ihre Thätigkrit gegen dasan sich Todte im Menschen.

Die Seele ist also das Empfindende, nicht der Köiper.Sie ist also der wahre, eigentliche Leib des Geistes, und derKörper gleichsam nur ihr äußeres Gerüst, ihre Decke und Hülse.Da wir nun aus zahllosen Beispielen und Erfahrungen wissen,daß der Geist seine Thätigkrit, sein Bewußtsein niemals verliert,auch dann nicht, wenn er sich seines Bewußrsems nichr vonjedem einzelnen Augenblick erinnert, da wir wissen, daß derGeist bei angestrengtem Nachdenken seines Körpers und allerseiner Umgebungen ganz uneingedcnk sein kann, oder in ge-wissen Krankheiten gar nicht auf die äußern Glieder einzuwirftnvermögend ist, ja sogar, wie beim Schlafwandler, zu seinenGeschäften die äußern Sinntnwcrkzcuge gänzlich zu cnrbehrcnim Stande ist: so begreifen wir, wie der unsterbliche Geist,auch wenn im Tode seine grobe Umgebung, das Verwesliche,ganz von ihm abfällt, dennoch Selbstgefühl und Bcwuß ftinbehält, ob er es gleich nicht mehr durch den Leichnam gegen dieLebenden äußert, weil ihm dn selbe nicht mehr zugehört. Wir