er lebt noch thätig fort, wiewohl er sich nur sehr unvollkommenäußert, weil er für eine Zeitlang Verzicht auf die Werkzeugethat, durch welche er sich zu äußern gewohnt ist.
Ein Beweis der immer fortdauernden Thätigkeit sind dieTräume. Zu weicher Stunde der Mensch auch plötzlich aus demSchlafe geweckt werde, wird er sich doch immer erinnern, ge-träumt zu haben. Diese Erinnerungen aber werden gewöhnlichsehr durch die starkem Eindrücke verdunkelt, welche plötzlich durchdie beim Erwachen aufgeschlossenen Sinne in sein Gemüth strömen.Und weiß er dann auch nicht, mit welchen Vorstellungen er sich imSchlafe beschäftigt, so hat er doch sehr bestimmt immer die Em-pfindungen bei einem plötzlichen Erwachen, daß er seine Aufmerk-samkeit, die man von außen fordert, erst von etwas losreißenmußte, was dieselbe bisher innerlich beschäftigt hatte.
Im Traum sind Vorstellungen, Begierden und Gefühle.Aber weil die äußern Sinne geschlossen sind, bilden sich jene auchganz unabhängig von äußerlichen Gegenständen. Sie hintcrlassenselten einen lebhaften, bleibenden Eindruck im Gedächtnisse. Dermungeachtet fanden sie statt. — Geist und Seele warm folglichauch dann thätig, wenn wir uns selbst nachher nicht immer andie Art ihrer Thätigkeit erinnern. Welcher Mensch erinnert sichdenn selbst der tausend schnellen Vorstellungen immer wieder,die er bei vollem Wachen in dieser oder jener Stunde des Tagesgehabt hat? Wird er aber deswegen behaupten: sein Geist habegerade in der Stunde, da er vielleicht am thätigsten und nach-denkendsten war, keine Vorstellungen gehabt?
In jedem Traum hat der Geist so gut Bewußtsein, als imWachen, das heißt, ein Selbstgefühl seines Daseins. Auch imTraume unterscheidet er sich ganz von dem, was er sich vorstellt.Ohne dieses Bewußtsein, ohne dieses Absondern deS Jch's vonden gleichsam außer ihm lebenden Gespinnsten seiner Vorstellung,könnte er nicht träumen. Jedesmal, wenn wir uns auf einengehabten Traum wieder besinnen, werden wir finden, daß esunser Ich war, mit unvollkommenem Selbstgefühl, welches unterden Bildern der Phantasie umherwandelte. Wir können Träume,welche allzuschwachen Eindruck machten, und in welchen