drücken sucht, der die Stunde des Wiederfindens in der Ewigkeitals eine Stunde des namenlosesten Entsetzens fürchtet? — Warumsollte ich mich wundern, daß Mancher ihn mit allem Witz hinwez-zuklügeln sucht; daß er lieber mit seiner Vernunft, mit seinenVorstellungen von der Hoheit, Größe, Weisheit und Gerechtig-keit Gottes im Widerspruch leben, als diesen Glauben annehmenwill, der seine Seele schon hienieden mit Schauder füllt?
Aber nicht was der Mensch will, nicht was er wählen möchte,wird geschehen, sondern was der Ewige will, was er in seinerharmonischen Weltordnung vorgezeichnet hat; was er inuns selbst durch allgemeine, laute Ahnungen offenbart; was erdurch sein heiliges Wort verkündet hat.
Ja, du wirft sie wiederfinden, leichtsinnige Mutter, ruch-loser Vater, deine Kinder, die du vernachlässigtest, und inschändlicher Rohheit und in ihrem Hang zu Lastern verwildernließest. Du wirst sie wiedererkennen in ihrer Unwürdigkeit, diedich anklagen, du wirst sie mit Zittern erkennen. Ihre Sündenfluchen deinem Andenken früher oder später dir über deinemGrabe nach, und bringen dir den Vorwurf wegen verschuldeterNachlässigkeit, mit der du junge Herzen Verwahrlosetest, indie Ewigkeit hinüber.
Und du, der du. hienieden mit gemeiner Selbstsucht dir deineeigene Welt, dein eigener Gott bist; der du gleichgültig gegenandere Menschen nur für dein eigenes Wohl besorgt bist, unddiejenigen als Thoren verachtest, welche uneigennützig für An-dere arbeiten, wohl gar einen Theil des Ihrigen für das Glückdes Nebenmenschen aufopfern: wen wirst du dort finden? Du,der Alles für sich, Nichts für Andere that, wer wird dir dortbegegnen, um dir noch in der Ewigkeit den Dank zu bringen,welcher der Tugend gebührt? Niemand! — Du stehst allein inden Gefilden der andern Welt, als ein Fremdling, einsam,ungeliebt. Dir sehnt sich kein liebender Geist entgegen. Dubist Einer von denen, die ihren Lohn dahin haben. Dennwas du auf Erden Gutes gethan, dafür hast du voll Eigennutzesdeine Belohnung gefordert und bezogen. Du gabst kein Almosen,du steuertest zu keiner milden Stiftung, zu keiner gemeinnützigen