Sterbestunde noch einmal den Namen feiner Geliebten; dieSchwester vergebens den Namen eines theuern Bruders; diezärtliche Mutter umsonst die Namen ihrer Kinder ^ So wäredie Ewigkeit also nur entweder eiire Vernichtung unftrs bessernSelbsts, oder, eine ewige, unbefriedigte Sehnsucht, ein Beklagenewigen Verlustes?
Nein, schwcrmüthiger Zweifler, höre Jesu Wort, er ver-heißt dir Wiedersehen in der Ewigkeit! Höre das Wort deinerVernunft; sie verurtheilt deinen Wahnsinn, der die Gottheit,der die Welt, der Alles mit sich silbst verwirren, der dein ganzesLeben und die ganze. Schöpfung des Schöpfers zwecklos undzerrissen darstcllen will ! — Wisse es, was dich Erfahrung jedenTag lehrt, was dich die große Weltgeschichte, was dich derAnblick der weiten .Schöpfung lehrt: Gott läßt nichtsunvollendet von dem, was er geschaffen! Er be-ginnt nichts, um cs wieder abzubrechen. Er ist ewig, ewigsuch, was er zum Dasein gebracht.
Einer der schönsten, der beruhigendsten Gründe für die Un-sterblichkeit unserer Seele ist der, daß die Gottheit in uns einStreben nach Tugend und nach damit in Verbindung stehendemWohls, in gelegt hat; daß aber dies Ziel auf Erden selten, oftnre erreicht wird; daß der Tugendhafte oft der Unglücklichste ist;daß erst in der Seligkeit dies doppelte Streben nach Tugend undSeligkeit gestillt werden könne, wenn nicht Alles hieniederrzwecklos sein, und die Tugend selbst für einen nich.izen Jrrihumgehalten werden solle.
Jeder Grund für die Ueberzcugung von der Unsterblichkeitmeines Geistes ist zugleich auch ein Grund für den Glauben andas Wiederfinden verwandter Seelen in der Ewigkeit. Ach, wieviel tausend Bitterkeiten duldet hicnicden die Liebe edler Men-schen um den Geliebten., der Freund um den Freund, der Vater,die Matter um das Kmd — und alle diese Thränen, diese Sorgen,diese Aufopferungen bl eben unbelohut? — Der Tod raubt ihnendas Edelste, das Theuerste ihres Lebens — ihre Schmerzenblieben unvergolcen, wären nun vergessen von der Gerechtigkeitder allliebenden Gottheit? —