keit ohne Verknüpfung des Gewesenen mit dem Künftigen istkeine Unsterblichkeit, sondern Vernichtung. Würde ich wieder-geboren in der Ewigkeit, ohne Bewußtsein meines Gewesen-scins: so wäre meine Geburt nur die Schöpfung eines neuenWesens, das noch nie vorhanden war.
Nein, Gott ist! ich bin unsterblich, so wahr er ewig unddie höchste Vollkommenheit ist. Ich bin unsterblich; so wird dieKraft meines Geistes, meiner Tugend, meiner Liebe nicht mitdem Leibe absterben. So gleicht jeder nächtliche Schlaf aufErden meinem Tode, jedes Erwachen meinem künftigen Dasein.Mit jedem Erwachen kehren die Erinnerungen meiner frühernZeiten, meine erworbenen Tugenden, meine Empfindungen derFreundschaft zurück. — Erkläre mir, Zweifler, wie dies Wunderan jedem Morgen möglich ist: dann will ich dir die Möglichkeiterklären, wie auch in der Ewigkeit verwandte Seelen nocheinander angehören.
Würde, was Gott verband, im Tode auf ewig getrennt,stürbe mit meinem Leibe auch die treue Liebe und die Hoffnungschönen Wiederfindens — o so wäre Alles zerrissen, Alles ver-nichtet , was die Gotteswelt mir Herrliches gezeigt. So wäre»reine Seele ihrer besten Schätze, ihrer süßesten Freuden beraubt.So wäre die ganze Ewigkeit nichts als die Verbannung einerverwässeren Seele, die einsam umherirrte, und Verlornes ver-gebens suchte. O so wäre das ewige Grab einem ewigen Lebenvorzuziehen, in welchem die Sehnsucht nur theuern Erinnerungenhoffnungslos nachweinen müßte. So wären Liebe und Freund-schaft auf Erden noch gefährlichere Empfindungen, als Neid undHaß. So wäre der größte Theil des Erdenlebens für Millionenund Millionen guter Seelen nicht werth, gelebt worden zu sein.O so würde ich hienieden Gott, die ewige Liebe anflehen: Tödtedie Liebe in mir. Ach, warum gabst Du mir ein Herz, dasnur bluten soll? Warum führtest Du mir theure Seelen zu,wenn Du mich auf ewig von ihnen reißen möchtest? Warumschenktest Du mir diese Gefühle der Liebe, dieses Herz vollerTreue, wenn ich cs nur empfing, um durch Verlust desto elenderwerden zu können? So seufzt also der Gatte vergebens in der