361
Erde und Himmel verwandt. Ich habe einen Theil der Meinigenbei Gott. Welch ein himmelvoller Gedanke!
Vater im Himmel, o Du mein und meiner verklärten SeelenVater! wie ich einst in der bangen Stunde des Scheidens meineHände schmerzvoll zu Dir erhob, und mit heißen Thränen flehte:o laß mir meinen geliebten Sterbenden — Vater, so hebe ichjetzt meine Hände in stolzer Zufriedenheit empor, und rufe: Ichdanke Dir für den Tod meines Lieblings! Dieser Tod hat zwarmein ganzes Wesen tief erschüttert, aber er hat mich frommer,edler, heiliger gemacht. Ich fühle mich Dir nun näher an-gezogen; ich fühle mich nun fremder gegen Alles Irdische, undwerde demselben nie wieder mit allzugroßer Hingebung gehören;es ist ein Band zwischen der Ewigkeit und mir, das nicht wiederzerreißt. Mein Wandel ist nicht bloß auf Erden mehr; er ist imHimmel bei Dir und den Theuren, die Du mir gabst und nahmst.
Es war eine Zeit, da übermannte mich noch ein furchtsamesGrauen bei dem Gedanken an Tod und Grab. Wie konnte ichTod und Grab lieben, als ich in ihnen den Abgrund sah, deralle meine-Seligkeit verschlingen wollte! Da war noch die Erdeein Himmel, und Dein Himmel, o Gott, für mich eine heiligeEinöde, in der ich mich als ein Fremdling dachte, den dortNiemand liebte und kannte. Und ich fürchtete den Tod, undscheute das unbekannte Land.
Nun aber ist dorthin meine Sehnsucht, dort ist meine Ruhe,meine Heimath, mein Gut! Dort sind die Genossen meinesHerzens, meines Lebens! Und ist cs mir wohl unter meinenFreunden auf Erden, so denke ich, dort wird es besser! Overist es hienieden trübe, so denke ich, dort wird es hell!
Ich aber will durch Jesum Christum mich würdig machender Seligkeit, die Du mir, o mein Vater, bereitet hast vonAnbeginn! Ich will Deinen Willen, o Vater, erfüllen durchWerke der Liebe gegen meine Mitmenschen, auf daß ich michauch droben Deiner Liebe in meiner höher» Vollendung erfreuenkönne. Amen. Hilf mir, o Herr Jesus, Licht nrcincr Seele!Amen!
VII.
16