Druckschrift 
8 (1837) Das Reich Jesu auf Erden
Entstehung
Seite
341
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spottet man über den Gegenstand mit sonderbarer Behutsamkeit,und wie über eine Sache, die nicht ganz klar sei.

Mancher, ob er gleich das unauflösliche Bewußtsein derUnsterblichkeit so gut wie Jeder in seiner Brust trägt, spieltdennoch gern den Zweifler im Gespräch. Er spielt aber denZweifler nicht deswegen, weil cs ihm Ernst mit dem Zweifelist, sondern weil er durch allerlei Einwendungen gern nochmehr Gründe für seine eigene Ucberzeugung herbeilocken möchte.

Die dem Zweifel ähnliche Unruhe bei dem Gedanken an Un-sterblichkeit und Geistcsschicksal nach dem Tode entspringt fürdie meisten Menschen daraus, daß sie für das, was sie glauben,Beweisgründe fordern, wo sie eben so unmöglich als unnützsind. Sie sind unmöglich, weil die meisten Menschen untersolchen Beweisen eine Art sinnlicher Anschauung und Erfahrungvon der Zukunft verstehen, die nie gegeben werden kann. Selbstnach dem Tode hat und kann der denkende Geist keinen andernGedanken haben, als: ich bin jetztund werdesein! Dengleichen Gedanken fühlt er schon vor dem Tode heute. Aber heuteund dereinst quillt das Gefühl aus dem wirklich vorhan-denen Augenblick; die Ueberzeugung kommt nicht aus derZukunft selbst, weil diese noch nicht ist, und nie ist, als in derVorstellung. Wenn sie aber wirklich ist, dann ist sie nicht mehrZukunft, sondern wieder Gegenwart.

Jeder Beweis für das, was in unserm Selbstbewußtsein da-steht, ist unnütz. Ich bin, wozu ein Beweis dafür? Das binich mir ohnehin bewußt, und eben darum kann es nicht bewiesenwerden. Denn erst dadurch, daß ich bin, ist cs möglich, daß Beweisesür mich überhaupt in der Welt sein können. Gottist! wozu Be-weise dafür? Mein Bewußtsein spricht es, und Millionen Gegen-gründe und Zweifel rotten dies Bewußtsein so wenig aus, als siedie Natur meines Geistes oder das Dasein der Welt ausrottenkönnen. Unsterblichkeit des G elftes ist! wozu Beweise da-für ? Dies ist ja kein Gedanke, den man lernt; es ist keine Meinung,wo die Wahrheit einer Gegenmeinung ebenfalls beweisbar wäre;es ist kein Glaube, wo es auf bloßen guten Willen ankäme, ihn zuhaben, oder zu ändern nein, es ist ein Ausspruch des Innern