Und Gott, der unendlich tiefer und reiner liebt, als der Mensch,der das Gefühl der Liebe von der höchsten Vollkommenheit biszur unmerklichen Abstufung in den Pflanzen und deren gegen-seitige Zuneigung ausgegossen hat — Gott, der seine erschaffe-nen Geister durch Liebe unter sich und zu sich selbst verband,sollte er, indem er die Seele verklärt zu höherer Vollendungemporführt, diese Liebe, diese Gotteskraft, in ihr vernichten?Nein, das Göttliche ist ewig! Der unvollkommene Menschist nicht vollkommener, als höhere Geister sind, die dem Vaternäher stehen, denn wir. Mögen tausend Erinnerungen imMenschen vergehen, aber seine Liebe zu den Geliehen begleitetihn ja bis zum Grabe. Mögen einst mit der zerfallenden Aschedes Leichnams tausend Erinnerungen verwehen, aber die Erinne-rungen an Gott, Erinnerungen an die Geliebten in GottesSchöpfung, gehen mit der vollendeten Seele ins bessere Daseinhinüber. Gott erschuf keine Geister, um sich von ihnen einst ver-gessen zu lassen; er vereinte keine Geister durch die geistigenBande der Liebe, um sie dann auf ewig zu trennen. Was dergrausamste Mensch nicht wollen könnte, würde Gott nicht wollen,der den Stempel seiner Liebe allen Wundern der Schöpfungaufdrückte. Und so ist das Band nicht durch den Tod desLeibes zerrissen, o ihr geliebten Seligen, das uns ewig zu-sammenschloff. Ich gehöre euch noch an, ihr Vollendeten, dieihr in andern Wohnungen des allgemeinen götilichen Vater-hauses lebet; ich liebe euch, bis auch mein Herz erstarrt und nichtmehr schlägt. Ihr, — nein, ihr könnet mein nicht vergessenhaben, denn Gott ist ja der Gott der Liebe, noch bin auch icheure Erinnerung , eure heilige Sehnsucht! Ihr, die ihr in bessernWelten nun Gottes Größe empfindet, ihr empfindet auch zu mireine erhabenere Liebe, als ich zu euch tragen kann. Ach, diemeinige ist noch vermischt mit Thränen, die eun'ge nur Entzücken.Ich blicke mit Wehmuth hinauf zu den Sternen, und suche eureHeimath, in der auch für mich ein liebendes Wesen wohnt: ihrlächelt selig herab auf den Erdenstern, wo ich im Staube einsamund heimlich unter Seufzern euch nenne!
VII.
1L