Druckschrift 
8 (1837) Das Reich Jesu auf Erden
Entstehung
Seite
333
Einzelbild herunterladen
 

Sterbenden sieht den Tod nicht, denn er lebt in sich fort, wievorher. Er weiß von keinem Sterbebette, von keinen ihn um-jammernden Verwandten, denn die Eindrücke von außen kommennicht mehr durch die erloschenen Sinne zu ihm. Wenn aber derZustand beginnt, da er frei vom Staube, geschieden von Fleisch,Blut und Nerven, in seiner selbstständigen Reinheit lebt dafehlen uns alle Vergleichungspunkte. Die Kraft wirkt fort imSelbstgefühl ihres Seins. Gott weiset dem Geiste seine neueLaufbahn an. Vergangenheit und Gegenwart sind der Seele inihrer Vollendung eins sie sah ja den Tod nicht, sie bleibt diesich selbst bewußte Kraft. Sie vermählt sich neuen Verbindun-gen. Sie geht zum Vater. Ihr Loos ist, wie das gesffenbarteWort spricht: Verklärung.

Ihr wisset nicht die Kraft Gottes! sprach Jesuszu den zweifelnden Sadducäern. Welcher Sterblicke weiß dieMajestät, die Allgewalt dieser Kraft Gottes, im unendlichenAll überall gegenwärtig? Aber das wissen wir: was Gott inseinem Reiche geordnet hat, ist Alles erhaben, prachtvoll, wun-derbar, beseligend und weise nichts Kleines, nichts Mangel-haftes, oder Entbehrliches, oder Unedles.' Wahrlich, und derEintritt der Seele in ihre ursprüngliche Reinheit und Entfesse-lung vom Irdischen wird nicht minder feierlich sein, wie jedeEmpfindung von der Herrlichkeit des Weltenvaters schon aufErden ist.

Die Befreiung der Seele von ihrer gebrechlichen Erdcnhülleist der Triumph des Geistigen über die tobten Kräfte der Natur.Hier hilft uns kein Klügeln und Deuteln; vor dem, was GottesKraft thut, verstummt unsere kühnste Einbildung, und diegrößte Erkcnntniß sucht umsonst die Grenzen der unendlichenMacht. Alles, was wir uns über den Zustand der verklärten,befreiten Seele vorstellen, ist kleinlich, thöricht, niedrig; istvon Dingen hergenommen, die mit dem Allerherrlichsten sowenig zu vergleichen sind, wie ein Thautropfen mit den Wun-dern des Ozeans.

Ihr wisset nicht die Kraft Gottes; ihr wisset nicht, welcheLaufbahn er der entfesselten Seele gibt; nicht, mit welchem