Gegentheil sind, wasunS in dieser Welt Freude macht ? Der Todendet unsere Hoffnungen, vernichtet unsere schönsten Entwürfe,trennt uns von unfern süßesten Gewohnheiten, nimmt uns vonunfern Aeltern und Kindern, Brüdern, Freunden und Freun-dinnen mit unbarmherziger Gewalt hinweg. Ach, er hat unsschon manche unserer theuersten Kleinode des Lebens entrissen.
Und wenn dem nun also ist: warum wollen wir uns durchdie öftere Erinnerung an Grab und Tod denn noch die wenigeLust verderben, die wir im Leben haben? Genießen wir dochdie Freude noch diesen Augenblick, da sie uns blüht, ohne sieuns selber muthwillig zu verderben! — Dies ist die SpracheVieler. Ja, ihrer Viele sind, welche eben daraus selbst derchristlichen Religion einen Vorwurf machen wollen, daß sietrauriger Art sei, und immerwährend an die Hinfälligkeit desLebens, an Tod und Gericht mahne.
Aber fürwahr, wer nicht heiter über den Tod denken kann,der hat auch noch nicht heiter und deutlich über das Leben gedacht.Wem der Tod ein dunkles und eben deswegen widriges Bild ist,dem ist auch das Leben selbst ein verworrenes Räthsel; der istmit sich selber noch nicht einig, warum er da sei, und was dasLeben für ihn bedeute. Es kommt nicht darauf an, was wir,um als vernünftige Wesen zu gelten, gern denken, sondernwas wir denken müssen. Aber die Religion ist's, welche unsdas Räthsel des Lebens auflöset, und eben dadurch zum Räthseldes Todes den Schlüssel gibt. Weit entfernt, daß das wahreChristenthum den Menschen niedergeschlagen und trübsinnigmache: durch Todesbetrachtung erhebt es seine weisen Be-kenner über jeden Schmerz, über jede Furcht, und macht unsfähig, ohne Rücksicht auf die nahe oder entfernte letzte Stundedes Lebens, die mannigfaltigen Freuden desselben mit dauer-hafter Ruhe zu genießen. Wenn dies die Religion Jesu in derThat vermag : warum sollen wir sie tadeln? Warum wollenwir Gedanken meiden, welche sich doch unwillkürlich aufdrängen?Es hat Jeder schon verloren in seinem Lebenslauf: wie will eres verhüten, sich daran zu erinnern? Es ist das Leben selbst,es ist unser Herz, welches uns an die schmerzlichen Verluste