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dort; Du warst ihr Gott, ehe sie Dich kannten; liebtest sie,ehe sie Dich liebten.
Wer den Tod nicht fürchtet, empfindet den Todnicht, und nicht jene Angst, welche den Lebenden anwandelt,wenn er den Sterbenden sieht. Kinder, welche vom Tode nichtswissen, sterben still hin, ohne den Tod zu sehen. Sie finden in ihmnur das Ende ihres kranken Zustandes. Sie können vielleichtunter Krämpfen und Verzuckungen hinscheiden ; aber diese sindnichts, als ein für die Umstehenden schauderhaftes Spiel derMuskeln, von dem die Kranken selbst gar nichts wissen. Waskann zum Beispiel empörender für das Gefühl der Zuschauersein, als die Krämpfe und Zuckungen in der fallenden Sucht?Allein es ist bekannt, daß diejenigen, welche damit behaftetsind, so ängstlich sie auch bei dem Anfall stöhnen und die Augenverkehren, so sehr ermattet sie sich auch nachher fühlen mögen,dennoch von dem Allem keinen Schmerz haben, ja sich des Zufallskaum recht bewußt sind.
Nur wer den Tod fürchtet, der empfindet ihn, oder viel-mehr sein Herannahen. Das bange Gewissen zittert vor demAugenblick des Gerichts. Es steigt mit dem Eintritte des Todeszugleich die Verzweiflung des Gcmüths aus dem Schmerze allzu-spätcr Reue empor. Es liegt etwas unnennbar Schreckliches indem Gedanken, dann, wenn die ganze Welt mit ihren Freudenvon uns abfällt, nicht beten zu können: Vater, in Deine Händebefehle ich meinen Geist!
Doch thut man Unrecht, wenn man immer die scheinbareBangigkeit der Sterbenden oder ihr ruhiges Entschlafen für eineFolge des Wandels hält, den sie in dieser Welt geführt haben.Es lehrt uns ja die Erfahrung, daß die liebenswürdigsten, un-schuldigsten Kinder oft mit anscheinender Schmerzlichkeit ver,scheiden, und daß umgekehrt die entschiedensten Bösewichte mitanscheinbar äußerlicher Ruhe ihren letzten Athemzug aushauchen.Was wir als Augenzeugen am Sterbelager erblicken, ist meistensdie Wirkung von dem Verhältnisse der Krankheit zum Körperund dessen Lebenskräften. Was im Geiste des Verscheidendenvorgcht, während von außen Betäubung herrscht, wer mag