dem Augenblick zu gewähren. Darum wandten sich Viele vonihr ab. — Allein ihre Verächter kannten sie nicht, oder berurtheilten sie nach der traurigen Ansicht und weinerlichen Stim-mung einzelner Christen; oder nah der heftigen, zornigenDenkart einzelner Priester, welche sich darin gefielen, mit denSchrecken des Gerichts, mit dem E'end der Verdammten zudroben, und mit der Erinnerung an die Ewigkeit Entsetzen in dieSeele zu gießen. Sic predigten eine Gottheit, die so zornmüthig,unerbittlich und rachsüchtig sein sollte, als sie selbst waren.
Doch der Gott des Christenthums ist der Gott der Liebeund Freude, denn er ist der Vater seiner Erschaffenen. DieReligion Jesu ist die Religion der Liebe und Freude, denn siemuntert zur harmlosen Fröhlichkeit, zum Genüsse der göttlichenVatergcschcnke, zur Zufriedenheit auf; ihr Zweck ist Vollendungund Seligkeit, und selbst was alle Kreaturen am meisten zuscheuen pflegen, den Tod, entkleidet sie von aller seiner Furcht-! arkeit, und läßt ihn uns nur als einen Engel der Liebe undF unde erscheinen, der keineswegs unser Dasein enden, sondernerhöhen will. — Es möge der Heide, der Verspotter des Chri-stenthnnis vor dem Tode zittern: dem getrösteten Weisen kommter als ein freundlicher Gottesbote. Und darum beschäftigensich die Christen gern zuweilen mit dem Hinb'ick auf ihn, nichtnicht weil der Gedanke ihnen Schwermuth gibt, sondern einVergnügen höherer Art, welches durch Erwartungen einernoch schöncrn Zukunft den Genuß der Gegenwart reizendermacht. Dann ist ja die Freude immer am reinsten und leben-digsten, nicht wenn wir an ihr ein grausenhaftes Ende, son-dern ihre unwandelbare Fortsetzung voraussehen. Und diesist der Christen Glück.
Mag uns auch bei den Gräbern unserer verstorbenen Ge-liebten, und wenn wir uns im Geiste zu ihnen hin versetzen,eine stille Mehmnth beschleichen. Diese Wehmuth ist kein Leidender Seele, sondern eine leibliche Erhebung des Gemüths durchSehnsucht und Entzücken. Wisset ihr nicht, daß auch die Wonnewehmüthig sein, und die stumme Freude ihre Thränen habenkann? Wollet ihr diese Empfindung einen Schmerz heißen, o