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8 (1837) Das Reich Jesu auf Erden
Entstehung
Seite
277
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tragen in uns den Keim zu einer Vollkommenheit ins Unendliche:so ist denn Unendlichkeit zugleich die Zugabe zu unserer Erschaf-fung, oder die Welt ist ein Chaos, die höchste Weisheit mit sichselbst im Widerspruch ein Gedanke, der Wahnsinn wäre.

Du glaubst einen Gott. Und wolltest du, verwegener Thor,ihn in deiner Raserei aus dem wunderbar geordneten Weltallhinwegläugnen: jeder Stein, jeder Grashalm, dein inneresRichter, alle deine Schicksale, die Nationen des weiten Erd«kreises in tausend Sprachen würden dir es zurufen: Er ist!Er ist!

Und ist ein Gott, ist er das vollkommenste, das heiligsteWesen wie darfst du an seiner Gerechtigkeit zweifeln?Wer aber an keine Fortdauer der Seele, an keine Vergeltungglaubt, die über den Sternen wohnt: der glaubt einen unvoll-kommenen Gott; glaubt, daß in der gefühlvollen Menschrnbrusthöhere Gerechtigkeit wohne, als bei dem Allerheiligstcn.

Denn wie wollte es mit der göttlichen Gerechtigkeit bestehen,daß tugendhafte Menschen, fromme Christen, welche um derTugend willen und ohne ihr Verschulden die schwersten Wider-wärtigkeiten erdulden auf Erden, sie erlitten haben sollten, ohneeine Ausgleichung ihres Elendes mit höhern Seligkeiten?daß Bösewichte, daß Tyrannen der Menschheit in Herrlichkeitund Freude ihre Tage zubringen, und ungestraft ihre Neben-menschen, ungestraft die Unschuld, ungestraft ganze Familien,ganze Völker mit Herzeleid und Drangsal verfolgen dürfen?Wie, wenn für diese kein Richter, für jene kein Belohner indem Weltall vorhanden ist: wer möchte es auf Erden wagen,tugendhaft zu sei« ?

Wahl sagt man, die Tugend belohne sich selbst ach, abernicht immer. Wie mancher opferte der Tugend alle Freuden desLebens hin, und starb unter Schmerzen und Thränen, den gött-lichen Gesetzen getreu! Nein, die Tugend belohnt sich eben sowenig auf Erden schon immer selbst, als sich jedes Lüfter aufErden auch immer selbst bestraft. Aber duldende Christen,wie den frechen Sünder, wehen Ahnungen aus andern Welten