uns zum Gefühl unserer höheren Würde, als Geister, alsschwache Ebenbilder Gottes. Der Wille des Geistes, und dieBegierden und Triebe des Fleisches, das ist, unserer sinnlichenNatur, sind im steten Widerstreit. Das ist-das doppelte Gesetzin uns, von welchem PauluT redet, der Apostel. Aus demFleische kommen alle Neigungen zur Sünde, zum Stolze, zumNeide, zur Rache, zum Wohlleben; aus dem Geiste stammt dieSehnsucht nach dem Heiligen, Göttlichen, Bleibenden. Ver-gebens sucht der schwache Mensch Ruhe und Zufriedenheit imIrdischen; immer wird er durch dasselbe wieder zurückgestoßenund auf sich selbst gewiesen. Vergebens vergißt der schwacheGeist seine Würde und Bestimmung, und fordert sein Glückvon den Geschenken des Erdenlebeüs. Schönheit und Stärkevergehen; der Ruhm wird verdunkelt, den Ueppigkeiten folgenKrankheiten; Geld und Gut wechseln in mancherlei Händenund bleiben diesseits des Grabes; Aeltern, Freunde, Freun-dinnen, Gatten, Kinder sterben, nichts bleibt, nichts sichertein festes Glück zu. Alles treibt uns, hinwegzuschauen vomSichtbaren auf das Unsichtbare!
Sünde ist Geisteskncchtschaft, Tugend ist GeistesfreiheitSünde ist Fleischesherrschaft, Tugend ist Geistesherrschaft. Ver-gebens vergißt der Geist, daß er frei sein und herrschen soll über»die aus seiner irdischen Natur hervorsteigenden Begierden; ver-gebens will er schwach sein und Anstrengung und Kampfmeiden, sich im sinnlichen Wohlleben gütlich thun, und seineganze Weisheit in Vermeidung des Unangenehmen und inrGenuß dessen begründen, was im gemeinen bürgerlichen Lebenreizt, gefällt, ehrend und vergnüglich ist; vergebens widersprichter selbst den Warnungen seines Gewissens: — — die ewigeWelteinrichtung, diese große Geisterschule — und nichts andersist sie — treibt uns selbst an, die Herrschaft über sinnliche Ein-flüsse wieder zu ergreifen und das Irdische gering zu schätzen.Denn jede Sünde wird von ihrer Selbststrafe verfolgt; demBetrug folgt die Angst, der Wollust das schmerzliche Erkranken,der Unmäßigkeit die Erschlaffung. Es ist für den Geist keineRuhe, keine Zufriedenheit, bis er Meister wird der Leidenschaft