Druckschrift 
8 (1837) Das Reich Jesu auf Erden
Entstehung
Seite
226
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mir auch widerfahre: alle Haare meines Hauptes sind gezähltworden, wie mein Jesus sprach! Es ist der Wille der höchstenLiebe. Was mir auch widerfahre: es soll, cs wird Alles zumeinem Besten dienen, wenn ich ihm nur vertraue.

O trostreiches Wort: Ich habe dich einen kleinenAugenblick verlassen; aber mit großer Barmh erzigskeit will ich dich sammeln.

Wohl muß es dem Dulder hart sein, wenn ihn Gott gleich-sam einen kleinen Augenblick lang verlassen zu haben scheint,besonders wenn man ohne alle bekannte Schuld das Opfer desGrames wird; oder wenn man sich vielleicht das empfindlichsteUebel unwissender Weise zuzog, weil der Mensch nicht Alleskennt und voraussieht. Doch warum soll man sich deswegenVorwürfe machen? Warum sein Unglück durch solche unver-diente Selbstanklage vergrößern? Niemand weiß die Wirkun-gen voraus von dem, was er thut oder unterläßt. Das, wasganz gefahrlos zu sein scheint, kann oft die größten Nachtheilebringen; und das, wovon wir die bösesten Folgen fürchten,löset sich oft am Ende ganz unschädlich auf. Niemand als der All-wissende ist allwissend. Kurzsichtig bleibt auch der weiseste underfahrenste Mensch. Die Folgen unsers Lassens und Thuns gibtGott, der die Umstände nach seltener Weisheit leitet. Es wärewohl ein kindischer Trotz, von dem, der das Weltganze regiert,zu fordern, er solle Alles nach unser» Einsichten und Wünschenund zu unserm Vergnügen leiten. Ist es nicht immer, wie eres einrichtet, zu unserm augenblicklichen Vergnügen: o, zu unsermwahren Besten ist es zuletzt doch gewiß. Darum gräme sich dochNiemand um daS, was er sich unverschuldet und aus Unwissen-heit zuzog. Sollte es sein: so wollte es Gott! Alle Vor-würfe , mit denen wir uns gegen uns selbst bestürmen und an,klagen, sind neue Aeußerungen unserer Unwissenheit. Denn sowenig wir wußten, wie schlimm das enden würde, was wir ohnebösen Willen, vielleicht in bester Absicht thaten: eben so wenigwissen wir voraus, wie wohlthätig und ersprießlich für uns, undohne daß wir es vermuthen auch für Andere, das zuletzt wird,worüber wir jetzt als ein Unglück klagen.