schmähte es nicht, aber legte ihm keinen Werth bei, der zu hochgewesen wäre. Er trauerte, wenn er sah, wie die Menschenalles für ihre Leiber, für ihre Bequemlichkeiten thatcn, und fastnichts für das unsterbliche, sich selbst bewußte Etwas in ihnen.Unzähligemal und auf mancherlei Weise rief er ihnen zu: Ihrseid nicht geschaffen für Wohlleben und Tand, sondern für'euchselbst, das heißt, für die Verherrlichung eures Geistes! Ihrseid nicht geschaffen, um das Unvergängliche in euch aufzuopfcrnfür das Vergängliche außer euch! Ihr seid nicht geschaffen fürPracht und Schmuck, für Ehrenstellen, für Geld und Gut, fürAnsehen und Macht: sondern die Mittel find für euch geschaffen,auf daß ihr euch derselben zu den Absichten Gottes, zur Ver-edelung cucrs Gcmüthes, zur Beglückung Aller, die euch um-geben, bedienen sollet. Was hülfe es dem Menschen, wenn erdie ganze Welt gewänne, und Schaden nähme an seiner Seele?Darum lebet nicht für die Mittel, sondern die Mittel sollenleben für euch. Ihr könnet nicht Gott dienen und dem Mammon.(Matth. 6, 24.) Ihr könnet nicht thierisch denken und empfin-den , nur für die vorübergehenden Genüsse dieses Lebens vor-handen sein, und doch daneben euern Geist veredeln.
So betrachtete Christus das Leben. So betrachteten cs auchdie von ihm in sein Gottesreich geweihten Jünger. Darum sagtePaulus: die aber fleischlich find (das heißt, die bloß für Erfüllungsinnlicher Begierden athmen), mögen Gott nicht gefallen. Ihraber seid nicht fleischlich, sondern geistig, so anders Gottes Geistin euch wohnet. Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nichtsein. (Rom. 8,9.)
War es denn also nur die Würde und Seligkeit unsers zurEwigkeit berufenen Geistes, für welche Jesus ins Leben trat,und litt und starb — ist es denn nur die Würde unsers Geistes,was^ im Leben das Wichtigste ist: so ist alles Andere nur füraußerwesentlich und zufällig zu achten; so werden wir fühlen,daß jeder Verlust am Ende unbedeutend ist, nur nicht der Ver-lust unserer Seelenvollkommenheit.
In diesem Sinne lebte Jesus und dachte er. Ob reich oderarm sein, beides war ihm gleichgültig. Sein Geist war es, der