Druckschrift 
8 (1837) Das Reich Jesu auf Erden
Entstehung
Seite
193
Einzelbild herunterladen
 

193

der große Sachverwalter deiner Rechtschaffenheit, welche ver-kannt wird. Der Allwissende kennt dein Herz und das Herzderer, die dich verfolgen. Der Allweise kennt und ruft dieStunde, da du herrlich und gerechtfertigt hervortreten wirst.

Menschen sehen nur deine Thaten, und beurtheilen nur denSchein derselben; er aber steht deinen guten, ernsten Willen,und weiß, wie weit deine Kräfte reichen. Die Liebe, die du 'deinem Vaterlande, deinen Freunden und Feinden im Verbor-genen übst; das Gute, was du, unbemerkt von aller MenschenAugen, im Stillen begehst: es geschieht in der Gegenwart deshöchsten Gottes, des Seelenrichters, des Vergelters der Tugend.

Treuer Hausvater, er kennt die Kümmernisse, die dir denSchlummer in der Nacht vom Auge stehlen; warum vertraustdu nicht dem, der dir allein helfen kann, der dir stets nahe ist.Ln dessen Armen du ruhst?Zärtliche Mutter, er sieht deinenSchmerz um das kranke, leidende Kind, und den noch größernum das ungerathene. Und du, Verzagter, der mit ängstlichenBlicken in die düstere Zukunft hinausstarrt, und bei sich spricht:wie wird es mit mir noch werden? oder wie kann es den Meinigenergehen? hast du des Allgegenwärtigen vergessen, der in derZukunft wie in der Vergangenheit wohnt; der dein gedachte,als du sein nicht gedachtest? Betender, du streckst die Händegen Himmel empor, dein Mund stammelt leise Wünsche zumGeber alles Guten; aber deine Seele denkt: wird er sie ver-nehmen? hört er meine Seufzer? Er Hort diesen Seufzer, ersicht diesen Gedanken deiner Seele; denn er, zu dem du genHimmel rufst, er ist dir nahe in deinem Zimmer, in deinereinsamen Kammer; er berührt, er umfängt dich!

Die Allgegenwart Gottes heiliget die ganze Erde, machtjede Stelle derselben zu seinem Altar, und Alles zu seinemTempel. Durch die Allgegenwart Gottes ist schon hienieden einHimmel, in welchem auch der Unglückliche sich froh erheben,der Zweifelnde heiteres Vertrauen, der Verzagte Muth undTrost fassen kann; in welchem nur der Sünder zittert, undzittern muß, weil er in diesem Tempel und Heiligthum einFremdling, ein Gerichteter ist.

Vit. o