bleiben? Soll ich noch unvollkommener werden, als ich bin?Soll ich von der Stufe zurückstürzen, auf der ich bis jetzt unterden gottgeschaffenen Wesen stand? — Ewigkeit! Ewigkeit! indir wohnt die ewige Liebe; wehe mir Sündigen, aber in dirauch des Vergelters Gerechtigkeit!
Tröstet mich, ihr freundlichen Himmelstöchter, Glaube,Hoffnung, Liebe! Begleitet mich auf der fernem Bahn,die ich noch zu durchwallcn habe. Stärke du mich, Gottesglaube,und erhebe mein Gcmüth über die Gewalt irdischer Sorgen,irdischer Wünsche zu meiner wahren Bestimmung empor. Rettemich, wenn meine Seele zwischen Zeit und Ewigkeit wanken,wenn sie das Thierische dem Göttlichen vorziehen will. Rettemich, wenn die Leidenschaft mich übermannen, und meineSinnlichkeit Meisterin werden will über meine Grundsätze undPflichten. Und du, o Hoffnung, Hoffnung, mir von Gott selbstgegeben, Hoffnung, mir durch Jesu Mund gebracht, verlaßmich nicht in den bangsten meiner Lebenestunden. Und wennich für meiner Seele Gerechtigkeit Alles zum Opfer darbringe, ^wenn ich meiner Tugend willen elend und verlassen würde,wenn ich der Spott roher Menschen würde — o Hoffnung derEwigkeit und Gnade, verlaß mich nicht!
Du aber, lieblichste von allen Tugenden, Mutter allerTugenden, Quell der Seelcnvollkommenheit, Liebe, Gottes-liebe, durchzlühe mich, daß ich ganz in dir lebe und webe.Nur wer in der Liebe wandelt, der wandelt in Gott. Nur werin der Liebe wohnt, ganz Liebe ist, dem ist die Ewigkeit schonhier aufgethan, und der fühlt schon hier den Vorgenuß ihrerWonne. Denn was dort wohnt und waltet, ist die allbeseligendeLiebe, und diese ist Gott!