mit aller Schmach von seinen Feinden belegt wurde, bisendlich Jedermann das Unrecht einsah, was ihm geschehen,und Jeder nun seine Leiden bedauerte und zu vergelten suchte?Erinnerst du dich, wie der Triumph der lange unterdrücktenUnschuld dein eigenes Gemüth erhob; wie dich eine stille Lustergriff, als wärest du selbst gerechtfertigt worden; wie dir dasGlück der endlich belohnten Tugend Thronen stummer Freudein die Augen lockte? — Siche, du theiltest in Gedanken denVorschmack des Himmels mit dem Gerechtfertigten. Es wardein eigener Tugendsinn, der dich begeisterte. Es regten sichLn dir laut deine Anlagen zur wahren Glückseligkeit; die Quellendeines Heils begannen zu sprudeln — o warum warfest dudiese Quellen wieder mit dem Schutte schlechterer Begierdenund Sorgen zu, daß sie versiegen mußten? Warum erhobstdu dich nicht gewaltsam über alle künftigen niedrigen Ge-sinnungen hinweg, und beschlössest nicht, der hohe Menschzu bleiben, der du für einen Augenblick in jenen Rührungengewesen warst?
Die Kindheit hat ihr Eden. Die Tage der spätem Jugendhaben ihre Paradieseesturrden. Aber auch im bestandenen Alterblickt den Sterblichen oft durch den Staub des Alltagslebenscm Strahl an, wie aus bessern Welten. Die Vorsehung läßtihn von Zeit zu Zeit den Vorschmack des Himmels genießen,um ihn zu reizen, dem allein nachzueilen, was solchen ver-ewigen kann.
Weißt du, was die Freude einer Mutter ist, wenn ihrKind in schöner Holdseligkeit aufblühend vor ihr steht undlächelt, und mit diesem Lächeln alle Gefühle ihres Busens ent-zündet? wenn sie sich stumm und voll heiliger Liebe zitterndniederbeugt zu dem Engel ihres Lebens, und mit ihrem Kusse
die reine Seele des Engels in sich hinüberzichen möchte?-
Weißt du, was das Entzücken eines Vaters ist, wenn er zumerstenmal den Neugeborncn erblickt, der ihm das Leben dankt;wenn ihm zum erstenmal der Säugling lächeln will; wenn dasfreudige Kind die ersten Worte stammelt; wenn er cs in Ge-sundheit, Fleiß und Tugend erblühen sieht? - O, diese