eine dunkele Vorstellung haben, jene Ruhe, welche verwahreFriede Gottes ist.
Hast du jemals schon einen schönen Frühlingsmorgen einsamunter den Reizen der aufblühenden Natur verlebt? Wenn dudich da im Schatten stiller Gebüsche ergingst, durch deren grüneZweige der Glanz der Sonne mit Purpurwellen brach; wennüber die grünen Auen ein sanfter Hauch des Morgenlüftchensfloß, und die zahllose Fülle der Blumen schauerte und der Thauam Halm erglänzte, wie Freudenthränen, welche der Himmelgeweint über die Heiligkeit und Güte des Schöpfers; und derBach vom Felsen, und der Strom in den Ufern, und derWald am Hügel feierlich erbrausete, und während hoch undtief die Lüfte erklangen vom wunderbaren Liede der Vögel —o, wie war dir? Drang nie ein Strahl unaussprechlichen Ent-zückens durch deine Brust? Du athmetest tief auf; du schienestleichter zu sein, als wärest du verklärt; du hättest deinen Ge-sang zu den Gesängen der Lüfte, deine Freudenthränen zu denThränen des Himmels mischen, dir die Fittige der Morgen-röthe wünschen mögen, um hoch im unenolichen Blau über dirschweben, oder in die grüne Nacht der Wälder sinken, oderDich im Duft unbekannter Fernen verlieren zu können; duhättest die ganze Welt mit deiner Liebe durchdringen mögen.
Lagst du je auf der Höhe eines Berges, da die weite Land-schaft mit ihren Fluren und Hütten schweigend unter deinenBlicken ruhte? Wie schwieg auch Alles in deiner Brust! Duvergaßest deine übrigen häuslichen Umstände; keine Sorge be-klemmte dich mehr, keine widrige Erinnerung störte dich in derwohlthätigen Ruhe, keine Leidenschaft wagte, mit gewohntenStürmen den Frieden deiner Seele zu unterbrechen. Ja, dirsprach eine leise Stimme: Mir wäre wohl, könnte ich ewigso sein!
Siehe, das war ein flüchtiger Vorschmack des Himmels,welcher zuweilen selbst leidenschaftlichen, unruhigen Gemüthcrnvergönnt ist, damit sie in sich gehen zur ernsten Selbstbeschauungund zum Nachsinnen über das Mittel, wie sie solch einen stillen,seligen Zustand in sich verewigen können. Siehe, das ist der