Druckschrift 
8 (1837) Das Reich Jesu auf Erden
Entstehung
Seite
71
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licher; Welt und Leben schienen ihnen werthloscr gegen denhöhern Zustand, in welchen sie sich wunderbar wersetzt fühlten.

Das Anfängen des Sterbens ist beim Menschen das wirk-liche Anfängen eines höhern Geisteszustandes; und der Geiststeht in solchen Augenblicken darum höher, weil die ihn läh-mende Schwere des irdischen Leibes nach und nach von ihmläßt. Er wird frei; er erscheint sich selbst in einer ihm vorherunbekannten Stärke und Größe. Dies hat man schon an vielenSterbenden bemerkt. Sie haben zuweilen vor ihrer gänzlichenAuflösung einige Helle Augenblicke, wenigstens solche, in denensie sich heiterer den Umstehenden mittheilen können und mögen»Gewöhnlich wissen sie dann nicht nur die Stunde, nein, beinaheden Augenblick ihres Todes genau voraus. Sie treffen auf dieseshin ganz unbefangen ihre Verfügungen. Sie selbst können abernicht erklären, wie sie zu dieser Einsicht gelangt sind. Ihre Kräftehaben angefangen, sich auf wunderbare Art zu veredeln. Siesehen das Längstvergangene wieder hell vor sich, das sie in ge-sunden Tagen vergessen zu haben schienen, oder dessen sie sich nurdunkel erinnerten. Andere sprechen von künftigen Dingen, ,unddiese gehen in Erfüllung. Man hat den Zustand der Sterbendendaher oft mit einer Entzückung verglichen, oder mit einem Licht,das vor seinem Erlöschen noch einmal, und Heller als jemals auf-lvdert. Folglich ist schon im Sterben die Erhöhung des Geistes.Er streift die schweren Bande des Körpers ab; er wird engel-haft. Er geht nichts weniger als in Bewußtlosigkeit und Schlaf,sondern offenbar in das hellste, unbegreiflichste Selbstbewußtseinüber.

Man hat den gewöhnlichen Schlaf oft den Bruder des Todesgenannt, aber damit eine ganz irrige Vorstellung mit ins Lebengebracht. Man denkt sich den Schlaf als eine Bewußtlosigkeit,weil man sich beim Erwachen nicht dessen erinnert, was derGeist während des Leibesschlummers dachte. Aber der Geisthat beständiges Bewußtsein; er lebt nur ein doppelartiges Leben.Das eine mit dem Leibe, das andere lebt er unabhängigvom Leibe. Was er mit dem Leibe, das ist mit offenenSinn en, lebt, dessen erinnert er sich allemal bei offenen Sinnen,