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halten, weil sie glauben, daß, wer ihn leide, mitten in seinenSünden, die er nicht Zeit zu bereuen hatte, dahinfahre zurVerdammniß? — Sind ihrer nicht Viele, die Gott eben des-wegen mit Gebet anrufen, daß er sie vor einem schnellen Todbewahre?
Aber eine solche Meinung ist wohl kaum mehr, als dieFrucht des Aberglaubens und einer unwürdigen Vorstellungvon der Größe und Gerechtigkeit Gottes. Denn wenn in derThat ein schneller Tod das schrecklichste aller Uebel wäre: wiekönnte Gott, dessen Kinder wir doch Alle sind, auf dessenGnade und Erbarmen wir Alle Anspruch machen, einigeMenschen in dieser wichtigsten Angelegenheit (wenn sie es wäre)begünstigen, andere nicht? — Wenn ein Erdbeben, eine Wasser-stuth plötzlich hundert und tausend Menschen aus dem Lebenrafft: sind unter denselben nicht eben sowohl grobe Sünder,als tugendhafte Gerechte gewesen? Wenn ein schneller TodLas böseste Schicksal wäre, würde der Allbarmherzige nicht inErtheilung desselben einen Unterschied walten lassen? Washätten denn Millionen voraus, die langsam auf dem Kranken-bette ihr Leben ausathmen?
Man sagt sich wohl: aber der Sünder hat doch noch aufdem Sterbelager Frist, seine vielen Vergehungen zu bereuenund sich wieder zu seinem Gott zu wenden. Sind wir dennnicht allzumal Sünder? Und wenn eine Reue in der Todes-angst Alles wieder gut machen könnte: würde es nicht dergöttlichen, Alles mit gleicher Huld umfassenden Vaterliebewidersprechen, wenn er vielen Tausenden das Glück versagte,während er es Andern gewährt? Würden auch nur ein irdischerVater, eine menschliche Mutter solche Ungerechtigkeit an ihrenKindern verüben wollen? — Nein, eure Vorstellung von demerhabensten alter Wesen ist mangelhaft, weil ihr von demWerth der Reue auf dem Sterbebette einen irrigen Begriffhabet.' Wenn ein Verbrecher im Kerker seine Vergehungenvoller Angst vor der Strafe bereut: würdet ihr ihn nun ingleichen Werth und Rang mit dem frömmsten, tugendhaftestenMenschen stellen? Würdet ihr ein Kind, welches euch durch