Druckschrift 
8 (1837) Das Reich Jesu auf Erden
Entstehung
Seite
54
Einzelbild herunterladen
 

54

Vorzug vor irgend einem. Ich will zur Vereinigung der großenGeisterfamilie beitragen, indem ich mich selbst zuerst Allen ver-brüdere : nicht in Wort, sondern in Kraft und That.

Darum soll fortan auch der Unterschied kirchlicher Gebräucheund Meinungen keinen Unterschied zwischen mir und Andernmachen. Christus hat ja mich und den Andern, Beide, ver-söhnt mit Gott in einem Leibe durch das Kreuz, und hat dieFeindschaft getödtet durch sich selbst. (Ephes. 2, 16.) Wersich Gott, dem Einzigen, dem Vater aller Wesen, nähert durchden Glauben an Jesum, das heißt, wer sich der Heiligkeit undVollkommenheit des Allerheiligsten nähert auf dem Wege, denuns Jesus gezeigt hat, und auf welchem wir allein zur Gott-ähnlichkeit gelangen durch Trennung von allen Sünden; werin Jesu seinen Heiland und Bruder, wer im Weltall des Schö-pfers das Vaterhaus, im ewigen Sein die Bestimmung unsererSeelen erkennt, der ist ein Christ! Und wenn er auchin manchen Vorstellungen von den meinigen abwr'chc; und wennseine Art der Gottesverehrung nicht die meinige wäre; wenn erauch in andern Kirchen betete er ist dennoch ein Christ!denn er hat mit mir einen Glauben durch Jesum, eine Liebezu den Menschen, seinen Brüdern, eine Hoffnung im Todezur Seligkeit, die uns Christus erworben hat.

Doch darum soll ich und will ich in meiner Bruderliebekeinem den Vorzug geben, weil er den Namen des Christenträgt. Auch der Jude, auch der in der Blindheit irrende Heide,auch der unwissende Anbeter der Gestirne und Götzen, auch derVerehrer eines falschen Propheten ist mein Bruder. Denn welcheWcltverbrüderung wäre es, wenn ich erst nach dem Glaubender Menschen fragen wollte, ehe ich ihnen einen Theil an meinemHerzen gönnen wollte? Jesus will, ich soll dem Gott ähnlichwerden, der seine Sonne gnädig aufgehcn läßt über den Ge-rechten, wie über den Sünder. Jeglicher, der mir nahe kommt,daß ich ihm nützlich sein kann, dem soll ich helfen, der ist meinNächster! So half der barmherzige Samariter, wie Jesusdas erhabene Beispiel aufstellte, ohne Ansehen der Religiondem Unglücklichen. So soll auch ich. Hinweg mit dem mör-