Mensch, der ebenfalls nur für Sinnengenuß lebt, ihm entsagen,so würde er seinem Leben selbst entsagen müssen. Denn er kenntkein höheres, geistiges Dasein. E-' ist nur ein klügeres, schlaueres,mit seltenen Eigenschaften ausgestatletes Thier.
Darum ist nicht Jedermann der Weltcnksagung fähig. Nurder Christ, oder, was dasselbe ist, ein Weiser, kann sich zu ihrerheben. Der Thiermensch, oder wie ihn die heilige Schriftnennt, der Fleischlich-Gesinnte, stirbt mit seinem Leibe dahin.Das Ziel seines Lebens ist das Grab. (Rom. 8, 6.)
Mcnschengeist, so lerne dein eigenes Dasein und deineneigenen Werth kennen, der höher ist, als jede Wollust des Ehr-geizes, des. Gaumens, der Habsucht und Ueppigkeit. Du hastdeinen Werth aber noch nicht erkannt, so lange du nur Thierbist; so lange dir Bewunderung, Ruhm auf Erden, Schmei-cheleien und Ansehen mehr gelten, als das Zeugniß eines frohenGewissens; so lange du einen Gewinn an Geld und Gut undAemtern höher stellst, als den Gewinn neuer Tugendvollkom-mcnheit; so lange du deine Pflicht gegen Gott und Menschen^ über irdischen Vortheilen vergessen kannst.
Die zweite Stufe zur Weltentsagung ist Ver-achtung alles Irdischen, wo es dem Ueberirdischen, das heißt,dem Göttlichen in uns, den Vorrang nehmen will. Häufig istim Leben der Streit der niedrigen Begierden gegen die Pflichten,oder Gottes Gebote in uns. Da ist Empörung der Welt gegenden Geist. Lebensgenuß ist angenehm, aber Gerechtigkeit istmehr werth. Ehre steht hoch, aber Tugend soll höher siehen.—Versage dir die Freuden der Welt nicht; auch für dich schuf sicGott; aber verstoße sie von dir, sobald du sie nur auf Unkostendeiner Seele genießen kannst. Freuden an sich sind unschuldig^aber die Art, wie du sie nimmst, macht sie schuldig.
Die Erde ist des Herrn und was in ihr ist! — So sprichtdie heilige Schrift, so die Vernunft. Erst der Mensch entheiligtdie Erde durch seine verderblichen Begierden. Die Begierdenaber wohnen in ihm, in seiner thierischen Natur.
Verachte deine irdischen Begierden, deinen Zorn und deineWollust, deinen Ehrdurst und deine Habsucht, deine Schaden»