Paulus sagen wir mit heiliger Freudigkeit: Wir rühmenuns auch der Trübsale! (Röm. 5, 3.) Unglücklicher, ver-stehst du die Rede?
Wie die Nacht mit dem Tage, der Schatten mit dem Lichte, .wechseln im Lebenslauf die guten mit den bösen Stunden, dieFreudengesängc mit den Thränen der Schmerzen. Weißt duaber, was dem Menschen das Gefährlichste sei, und was eram schwersten ertragen kann? O wahrlich, es ist nicht dasUnglück, sondern das Glück!
Unter lausend Sterblichen ist oft kaum Einer, der vermögendwäre, in guten und glücklichen Zeiten aufrecht und seiner würdigzu bleiben. Aber wenn das Schicksal gegen sie wüthet, ermanntsich ihr Trotz, und Alle stehen muthig, groß und zuweilenwahrhaft bewundernswürdig da. Daher heißt es auch, dieNoth ist immer die Mutter der Helden, die Erzieherin derWeisen. — Lehre mich hingegen den Helden kennen, der ausWohlleben und Herrlichkeit hervorging; oder die Weisen,welche in den Armen schwelgerischen Glücks der Bewunderungaller Welt würdig blieben. — Wahrlich, ich habe Viele gesehen,die erst im Leiden groß und achtbar dastanden, und mit Riesen-muth den härtesten Kampf bestanden; aber weit Mehrere, denenes zu schwer, oft unmöglich war, ihr Glück zu ertragen.
Es ist gar nichts Seltenes, arme und tugendhafte Familienzu sehend welche kaum von einem Tag zum andern sich zuerhalten wissen. Mit frommer Ergebung in Gottes Willentragen sie ihr trauriges Loos. Und gebricht es oft an dernöthigen Bequemlichkeit, oft an Kleidern und Nahrung r siebleiben standhaft und muthig. Ihre gegenseitige Liebe tröstet sieüber die Verachtung, welcher sie preisgegeben sind; Arbeit undHunger würzet ihre dürftige und wohlfeile Mahlzeit; Kleinig-keiten können ihnen die größte Freude verschaffen. ZärtlichesMirleid gegen andere Leidende erfüllet ihre Brust. Sic sind inder größten Noth durch Tugend und Liebe glückliche Menschen.Doch plötzlich verändert sich das widrige Geschick einer solchenFamilie. Ein großer, unerwarteter Reichthum, vielleicht durchentfernte Erbschaft, fällt ihr zu. Die elende Hütte wird mit