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Gnade kein Abnehmen, kein Ziel. Sie begleitet mich durchLicht und Finsterniß meines Lebenslaufes; sie begleitet mich durchdie Stunde des Todes und der Auflösung; sie begleitet mich durchalle Fernen der Ewigkeit. Diese ewige Gnade uns zu offen,baren, sandte er Jesum Christum in die Welt, und dieOffenbarung erfüllt jede, reine Seele, die sich über den Stauberhebt, mit heiligen: Entzücken.
Gott ist gnädig! — Er ist es nicht nur dem Frommen,dem Gerechten; gnädig ist er auch dem Sünder! Der Sünderist nur ein Verirrter; er soll nicht ganz verloren sein, er wirdes nicht sein. Allen, allen, auch den Verworfensten, steht dieThcilnahme an der unaussprechlichen, endlosen Liebe des Vatersoffen; Allen fließt Woblrhat aus jenem Gesetze der Gnade, wennder Mensch nur die Wohlthat selbst begehrt.
Gott ist gnädig! — Er zürnet nie, er straft nie, weil erdie höchste Liebe ist. Nicht er, sondern der Mensch straft sichdurch seine Thorheiten, Fehler und Laster selbst. Nicht Gottentzieht uns höherer Vollkommenheit und Seligkeit, sondernder Mensch entzieht sich ihr selbst, indem er versäumt, voll,kommen zu werden, wie Jesus gebeut, wie die Vernunft er-mahnt, wie das ganze Weltall uns zuruft.
Wer sich selbst versäumt, der hat sich selbst gestraft. Wermuthwillig oder träge auf der großen Bahn der Vollendungzurückbleibt, der hat sich selbst anzuklagen, inzwischen Anderefreudig voraneilen. Wer nur mit seinem Leibe lebt, und nichtdie Veredelung seiner Seele zur Hauptsache macht, der hat alsThier gelebt, seine Seele aber ist roh und an ihrer Kraft un-entwickelt geblieben. Er stirbt, das Thierische fällt ab, undder vollkommene Geist bleibt. So ist der Mensch sein eigener,fürchterlicher Richter, und unwandelbar ist das Gesetz der Welt!Wer nicht nach Seelcngröße rang, sondern in kleinlichen Eitel-keiten, im Schlamme lasterhafter Begierden, den Thicrengleich, zornig oder wollüstig, rachsüchtig oder raublustig, freß-begierig oder heimtückisch lebte oder leben wollte: wie kann einsolcher Seelengröße, Seelenstärke gewinnen? Was will ervon der Gnade Gottes, daß sie ihm, wenn er sein verschwen-