Druckschrift 
8 (1837) Das Reich Jesu auf Erden
Entstehung
Seite
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er: Freund, warum nimmst du schon heute wieder Nahrung,zu dir, da du doch erst gestern gegessen hast? Ich thue es,um zu leben ! erwiederte dieser. Und ich lese, um ebenfalls zuleben! versetzte der Weise.

In dieser Antwort liegt ein schöner und wahrer Sinn. Wiewir täglich zum Leben des Leibes der leiblichen Speise bedürfen,so bedürfen wir zur Aufrechthaltung und Veredlung des Geistestäglich geistiger Nahrung. Ohne dieselbe würde unser wahresinneres Sein schwächer werden und endlich verderben. Um soviel werther mein unsterblicher Geist als der Körper ist, um soviel größere Pflege soll ich seiner Erhaltung und seinem Wachs-thum widmen. Denn der Geist bin ich ja selber; der Körper,der mich umkleidet, bin ich nicht. Nichts bleibt auf Erden, wasund wie es ist. Die Umstände meines Körpers verändern sichBeständig; auch die Zustände meines Geistes. Er steht nie still,sondern er schreitet entweder vorwärts oder rückwärts; er wirdentweder stärker oder schwächer, besser oder schlimmer. In einemunaufhörlichen Kampfe mit den äußern Umständen und Schick-salen, oder mit den thierischen Einflüssen seines Fleisches undBlutes, ist der Geist entweder Sieger oder Besiegter. AberRuhe ist selten für ihn.

So soll ich also den Geist eben so fortdauernd nähren undstärken. Das göttliche Wort aber ist die eigentliche Nahrung desGeistes; keineswegs ist solches die gewöhnliche Lebensklugheit,weltliche Weisheit oder Gelehrsamkeit. Denn unser Geist istrn uns etwas Göttliches, aus Gott entsprungen, zu Gott zurück-kehrend. Daher muß er seine Kraft und sein Wachsthum aus dem,was göttlich ist, nehmen, wie der Leib sie aus dein Irdischen undStaube nimmt, von dem er kam, und zu dem er zurückkehrt.

Das Göttliche aber, was des Geistes Nahrung sein soll,kann nichts anderes, als das Wort Gottes sein, oder das unsvon Gott Geoffenbarte. Die Offenbarung aber ist eine Erleuch-tung unsers Innern über uns selbst, über unser Wesen, unserAbstammen, unser Fortdauern, unser Gottähnlichwerden.

Daß unser Geist göttlicher Natur sei, offenbart sich in seinerSehnsucht und Liebe zum Ueberirdischen. Der einsame Wilde,