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brachte? Ich möchte schamhaft mein Antlitz vor dem Allgegen-wärtigen verhüllen. Ich fühle es, daß ich noch nicht gewordenbin, was ich sein soll. Noch sind alte Fehler in mir mächtig;noch reißen mich traurige Leidenschaften zu verderblichen Ueber-eilungen hin; noch fehlt mir jene ruhige Besonnenheit imDenken, Reden und Thun, ohne welche kein Entschluß feststeht; noch bin ich nicht der wohlthätige, überall gern helfendeund rathende Menschenfreund, der durch Liebe, Versöhnlichkeit,unaufgeforderten Beistand Glück, Frieden, Eintracht und Wohl-fahrt des Nächsten befördert. Zwar manches Gute ist mir ge-lungen — aber wie wenig Anstrengung hat mir dies gekostet!Wie vie.le Anlässe hatte ich nicht, die unbenutzt blieben!
Der Eintritt und Austritt des Jahrs mahnt mich nur zulebhaft an Ein- und Ausgang des Lebens. Als ich vor zwölfMonaten eben dieses Jahr, welches nun fast geendet ist, mithundert geheimen Hoffnungen und Wünschen begrüßte, wieanders war da noch Vieles! Jetzt schlummert die Asche vonTausenden unter der Erde, die damals noch froh waren, wieich. Vielleicht bin ich einer von den Tausenden, von welchenman nach zwölf Monaten st^en wird: sie sind gewesen!Und mancher meiner edeln Freunde, manche meiner Theuernsind nicht mehr! Frieden über euern Staub, o ihr Geliebten,und Seligkeit euern Geistern in jener bessern Heimath!
Vieles ist anders geworden! Nur Du, mein ewiger Vater,nur Du, Anveränderlicher Gott, bist mit Deiner treuen Liebeund Gnade derselbe geblieben, der Du bei meinem Eintritt indieses durchlebte Jahr, wie bei meinem Eintritt ins Leben ge-wesen bist. Deine Güte, Deine Nachsicht und Langmuth ver-wandelt sich nicht. Dies ist meine einzige Beruhigung, meineeinzige Freude, die ich bleibend empfinde, sowohl in der Un-stätigkeit meiner Gesinnungen, als im Wechsel meiner Schick-sale. O welch ein Elend, wenn Du, Herr, ändern könntest,wie der Mensch ändert! Aber unser Loos ist Schwachheit, undDu lebst im Lichte aller Vollkommenheiten, und erbarmst DichDeiner Geschöpfe, die glaubensvoll auf Dich emporblicken undrufen: Abba, lieber Vater!