492
Feiert immerhin die Geburtsfeste eurer Fürsten und Königemit irdischer Pracht und Herrlichkeit; laßt den Donner desGeschützes durch die Lüfte Hallen; verschwendet reiche Summenbei üppigen Gastmählern — das Irdische mag irdisch gefeiertwerden! Ich tadle diese Feierlichkeiten nicht, besonders wennsie von der Aufrichtigkeit des Herzens begangen werden; wennsie der Ausdruck der Liebe für das Heil eines guten Fürstensind. Es ehre öffentlich und unaufgefordert der treue Unterthanseinen König, seinen Fürsten, als Vater, als den Beschützerdes Volks.
Ein Festtag sei uns die Geburtsfeier unserer Aeltern, unsererBrüder und Schwestern, unserer Kinder, unserer theucrstenFreunde und Freundinnen! Wir legen durch die Freude, diewir ihnen bezeugen, unsere Liebe für sie an den Tag, underwecken durch die »«geheuchelten Empfindungen unserer Dank-barkeit eine verstärktere Gegenliebe für uns. Wir ziehen dieheiligen Bande der Freundschaft bei solchen Gelegenheiten engerum Herz und Herz, und bringen oft manche jener schönen, un-vergeßlichen Augenblicke dadurch in unser Leben hinein, derenSchimmer eine reizende Verklärung über das Ganze verbreitet.
Aber die Feier der Geburt Jesu ist ein Fest der Geister-welt — das Freudenfest der durch göttliche Offenbarung be-glückten Seelen; ein Fest der Erde und des Himmels. Es istder Tag, an welchem frohlockend die bessere Menschheit jauchzt:Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden und den Menschenein Wohlgefallen! (Luk. 2, 14.)
Von diesem Tage ab stammt die große Umwälzung allerVölker auf Erden, die allgemeine Verwandlung der Gemüther,der Sturz des weltbeherrschenden Roms, die Aufklärung unsersWclttheils, der menschlichere Sinn der Nationen, die Vernichtungder Abgötterei, das Gebet aller erleuchteten Sterblichen zueinem Gott, zu einem Vater, zu dem allerhöchsten Wesenim unendlichen Weltall.
Wo ist ein Tag in der ganzen Geschichte des Erdkreisesmerkwürdiger und wichtiger als dieser? Wo ein Tag in derganzen Reihe von sechszig Jahrhunderten, seit welchen sich und