von sich zu werfen, an welche!» sie aufrecht und löblich durchdas Leben gingen.
Doch sollen wir von der andern Seite auch nie den wichtigenUnter schied zwischen Religion und Kirche außer Acht lassen; wirsollen nicht vergessen, daß die Religion Jesu unsere Hauptsachesei. Das Gesetz ist durch Mosen gegeben, die Gnade und Wahr-heit aber ist durch Jcsum Christum geworden. (Joh. 1, 17.)Was zur Zeit des Messias und seiner Jünger noch für vieleBekenner des Herrn das Gesetz Mosis war: das ist in mancherRücksicht für uns die Kirche geworden. Auch sie verordnete Fest-tage, Opfer, Feierlichkeiten, heilige Handlungen und gottes-dienstliche Zeremonien. Aber nicht in diesen besteht die Religionselbst. Es bezeichnen sich auch Mörder mit dem Kreuz; es gehenauch Ehebrecher zum Abendmahl. Es legen auch Diebe ihrOpfer auf den Altar; es werfen auch betrügerische Wuchererihr Scherflein in den Gotteskasten. Es gehen auch Heuchler zurPredigt und Messe, es beugen auch Ehrgeizige, Habsüchtige undZänker ihre Knie betend im Tempel. Sind sie, weil sie mitSorgfalt alle kirchlichen Vorschriften erfüllen, weil sie Gebeteauswendig wissen, weil sie auf das Verdienst Jesu oder auf dieFürbitten der Heiligen hoffen, weil sie an Fegfeuer oder Gnaden-wahl glauben, weil sie Wallfahrten thun, oder auf Kanzelnfür sich beten lassen — sind sie darum bei allen ihren LasternNachfolger Jesu? Theilnehmer am Reiche Gottes? — Wermöchte die entsetzliche Behauptung wagen?
Alles Beobachten kirchlicher Hebungen und heiliger Ge-bräuche, diese Wcrkheiligkeit, welche cs mit Gebeten, Fasten,Genuß der Sakramente und dergleichen abthun zu können glaubt,ist eitel und fruchtlos zur Seligkeit, wenn es nicht einen gött-lichen, menschenfreundlichen, zu allem Guten und Beglückendenhinstrebenden Sinn in uns erweckt. Denn die Liebe Gottes unddes Menschen ist die Frucht des Glaubens. Darin wird Jeder-mann erkennen, sprach Jesus selbst, daß ihr meine Schülerseid, so ihr Liebe unter einander habet. (Joh. 13, 33.) Ihrsollet aber euern Nächsten lieben, wie euch selbst. (Matth. 22, 39.)Nicht die Herr, Herr! zu mir sagen, werden in mein Reich