Druckschrift 
5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
467
Einzelbild herunterladen
 

Ihr Blick hing nicht an dem Vergänglichen dieser Minuten,sondern an dem, was ewig ist.

Sollten sie vor denen beben, die nur den Leib tödtcn können?Gelassen empfingen sie Folter und Tod. Jesu Wort war ihrTrost, Gott und Ewigkeit ihre Hoffnung. Ihre erste Liebe,ihre alte Treue änderte nicht mit dem letzten Athemzuge. ESist die Sage aufbehalten, wie Johannes ein hohes Alter vonhundert Jahren erreicht hat, daß Viele glaubten, er werdenicht sterben. Alle übrigen seiner Mitjünger waren schon imGrabe. Aber noch in der absterbenden Hülle des Greises lebtedie zärtliche Liebe für seinen göttlichen Freund und die rüh-rende Erinnerung an dessen Huld fort, wie einst in den schönen^ Tagen der Jugend. Da man ihn zu Ephesus hinaustrug aufLen Armen, daß er dem Volke predige, welches den heiligenGreis zu sehen begierig war, breitete er segnend seine HändeAber die bewegte Versammlung, und sprach nur: Kindlein,Zliebct euch unter einander, wie Christus Jesus uns geliebet hat.Mit diesen Empfindungen, treu bis in den Tod, starb der letzteBon den Schülern unsers Herrn. Wann hat auf Erden jemalsein Sterblicher gelebt, der unter seinen Freunden eine so dauer-hafte, Noch und Tod besiegende, sich immer gleiche, und nochLn den allerspatesten Alterstagcn unerloschene, lebendige Liebeempfangen hätte? Wunderbar, wie Jesus erschien im Wandelrrnd Thun, war die Treue derer, die er zu seinen Gefährte»-gewählt hatte. Das Ueberirdische, welches ihn erfüllte, schienvon ihm in ihre Brust übergegangen zu sein. Wo ist, wo warje ein Glaubenslchrer, dessen Schüler mit dieser Zärtlichkeit,mit dieser gänzlichen Selbstverläugnung an ihm hingen? WoDarfein Fürst, dessen Zepter noch heute über Millionen gebietet,die mit schmeichelnden Schwüren seinen Thron umringen, undgeloben, für ihn zu sterben wo darf er hoffen, nach seinemTode so lange, so innig geliebt zu sein? Er stirbt, dieSchmeichler wenden sich bald von seinem Leichnam weg, dasneu ausgehende Gestirn zu begrüßen. Die unvertilgbareFestigkeit in der Denkart der Apostel über Jesum, eine Denkart,welche weder alle fpätern Erfahrungen und Überlegungen,