O Jesus! Jesus! Du Urbild reiner, himmlischer Liebe,wie sic niemals eines andern Menschen Brust erwärmte; Jesus,du Erbarmungsvoller, der nie sich selbst bedachte, sondern nurdas geistige Elend der Sterblichen und die Noch ihrer Seelensah, und vom Mitleid aufgelöset sich ihrer Rettung hingab;Jesus, dem alles Irdische verächtlich und gering war, als trügeer keine menschliche Hülle; der irdischer Ehre spottete, und allesGlanzes vom Staube geschaffen, weil er nur ein Geist in derWelt der Geister für die hohe Bestimmung derselben athmete;Jesus, der Du nichts für Dich, Alles für uns warst, und durchDein fleckenloses Leben bis zum letzten Todesschmerze bewiesest,daß auch der Sterbliche schon auf Erden die höchste geistige Voll-kommenheit annehmen könne-o Jesus, mein Erbarmcr,
mein Mittler, der Du auch für mich blutetest, der Du auch fürmich littest und betetest: wer bin ich, Du Heiliger, daß ichDeiner Liebe würdig sein könnte? Wer bin ich neben Dir,ach Du Göttlicher, daß Du mich Bruder nennest, und mich zuDeinem Vater im Himmel hinleitest, der auch mein Vater istund sein will?
Wenn ich die Tiefe Deines Erbarmens erwäge; wenn ichan den Glanz Deiner Wahrheiten denke, die Du der Weltbrachtest, um die Ruhe und Seligkeit der Seelen zu schaffen;wenn ich mich Deines heiligen Seins erinnere, wie Du, fastnicht irdisch, sondern ganz geistig, ganz göttlich, mit dem, wasder Erde gehörte, was den Menschen thcuer war, nichts gemeinhaben wolltest, sondern Dein selbst nie gedenkend nur unsergedachtest! — o reiner Geist! o ewiger Sohn, o göttlicher Ab-glanz des Vaters! wie kann ich anders, als daß ich anbetendniedersinke vor Dir, die bebenden Hände emporstrecke zu Dir,o Weltversöhner, und meine Thronen mit dem Staub der Erdevermische, und seufze: Solches Erbarmens war ich nicht würdig,solcher Liebe bin ich nicht werth, als bis meine Seele derDeinigcn gleicht in Gerechtigkeit, Wahrheit, Menschen- undGottcsiicbe, Uneigennützigkeit, Sanftmuth und wohlthätigerHuld.'