-er von der Selbstständigkeit seines Geistes einbußt, und den ausseinem Fleisch und Blut entspringenden wilden Begierden unter-than wird, je elender und verlassener steht er selbst in der Weltda. Nicht daß die Welt vor ihm flöhe, nein, er stößt sie vonsich zurück und flieht sie, weil er sie verkennt, und für so ver-derbt hält, als er selbst geworden. Während der Gutmüthiaeüberall Herzlichkeit und Gefälligkeit findet, wie er sie selbst gibt,fährt der Selbstsüchtige schaudernd vor immerwährendem Eigen-nutz der Menschen zurück. Er sieht keine Freundschaft, sondernHilfsbedürftigkeit; keine Freigebigkeit, sondern nur kluges Aus-säen für reiche Acrnten. Er erblickt in Allem dasjenige wieder,dessen er selbst fähig ist, und weil er in seinem Wahne glaubt,Jedermann sei wirklich so, und die Welt sei so trübe und unrein,wie sie ihr Bild in den trüben, unreinen Spiegel seines Gemüthswirft: verstockt und verhärtet er sich selbst in seinen alles Lebens-glück störenden Fehlern.
Dem Reinen ist Alles rein. Seine Unschuld, seine Tugendverbreiten über seine Seele eine Heiterkeit, welche, wenn sieauch schon durch widrige Ereignisse auf kurze Zeit getrübt werdenmag, gleichwohl unwandelbar in ihm fortdauert, ja oft dann amglänzendsten ist, und ihn am innigsten erquickt, wenn seineSchicksale am dunkelsten über ihm schweben. Dieser Himmel inseiner Brust lagert sich auch verherrlichend über Alles fern undnah um ihn herum. Dies Erdenleben, wenn gleich kein ewigerFrühling, ist auch für ihn keine beständige Winternacht. Ergenießt hier einen Vorhimmel, wo die Unreinen schon eineÄZorhölle empfinden. Er sucht die guten Menschen auf, und anden Schlechtem auch immer noch ihr Besseres. Also umgibt ihnin dieser Welt nur das Heilige, das Edle, das Schöne. DerAnblick desselben erhebt sein Herz mit neuer Gewalt, und ver-edelt, verschönert und heiligt es noch mehr. Er lebt, einwerdender Engel, unter werdenden Engeln, und findet zuletztin der Sterbestunde nur den Tausch eines Himmels mit demandern; den Uebergang von einem durch Gottes Güte imGanzen sehr freundlichen, seligkeitreichen Zustand zu einem nochseligem.