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So ist dem Reinen Alles rein. Er liebt die Menschheit, erwill ihr Glück, um des Guten willen, welches jeder Mensch inseiner Denkart hat. Denn es ist Keiner, der nicht, wäre erauch noch so verdorben, einiges Gute besäße. Kein Mensch istheilig, aber keiner ist auch durchaus böse. Daher soll uns einJeder schätzbar sein, selbst derjenige, welcher gegen uns un-gerecht handelte, weil eben dieser gegen Andere vielleicht sehrwohlthätig, in seinem Beruf sehr pünktlich, in seinem Hauseein vortrefflicher Vater, eine zärtliche Mutter, in der Freund-schaft sehr treu, in seinen übrigen Verhältnissen rechtschaffen,dienstgefällig, hilfreich sein kann.
Die Gutmüthigkeit, welche aus der Unschuld und Reinheitunsers eigenen Gemüths entspringt, hindert uns darum nicht,im menschlichen Leben vorsichtig zu wandeln, um denjenigenSchaben von uns abzuwenden, welchen die bösen NeigungenAnderer in der Störung unserer Glückseligkeit verursachen könnten.Das Kind, erfahrungslos, vertraut blindlings Jedem, der seinerUnschuld mit freundlicher Miene naht. Der bejahrtere Menschkennt neben den Rosen die Dornen, und die Gefahr, sich einemUngeprüften in allen Dingen zu vertrauen. Er kennt aus denSchwachheiten seines eigenen Herzens, aus Thorheiten, die ihnoft selbst übermannten, aus Vorurtheilen, die ihn oft selbstregierten, die Schwachheiten, Vorurtheile und Thorheiten An-derer. Indem er diesen ausweicht, übt er die Klugheit imLeben, welche Jesus seinen eigenen, kindlich unbefangenenJüngern empfahl, als er sagte: Seid klug wie die Schlangen,aber ohne Falsch wie die Tauben."
So können sich Guthmüthigkcit und Klugheit in dem gleichenGemüthe paaren. Jene vermählt uns mit allem Guten desmenschlichen Geschlechts, diese bewahrt uns vor den Unartendesselben; jene lehrt uns Jeden lieben und ehren, ohne daß dieseuns zu Haß und Verachtung lockt.
Dem Reinen ist Alles rein, dem Unreinen aber und Un-gläubigen ist nichts rein, sondern unrein ist beides ihr Sinnund Gewissen. (Tit. 1, 15.) Je mehr der Mensch sich von derEinfalt und Güte des kindlichen Gemüths entfernt, je mehr