dem großen Gefüge der Wcltordnung für dich und das Ganzedas Zweckmäßigste sei. Der Fürst sehnt sich vom Throne herabzur glücklichen Ruhe des Mittelstandes; der Soldat wünschtsich die bequeme Stille und Sicherheit des Sandmannes; derGeistliche den Geschäftskreis des thätigen Kaufmanns; der Kauf-mann die sichere, wenn gleich mäßigere, Gewerbsart des Hand-werkers. Jeder Stand hat seine eigenen Mühen.
Darum erfülle deine Pflicht da, wo du lebst; unterdrückedie Domen, mache dich ihnen unempfindlicher und dageqenvertrauter mit allen Vortheilen deiner Verhältnisse. Es gibtkeinen Stand, welcher es auch sei, in welchen: du nicht deineFähigkeiten zeigen könntest. Du willst Ehre, ke'in Stand gibtsie dir. Du mußt sie durch besondere Geschicklichkeiten deinemStande geben.
Erfülle deine Pflicht da, wo du lebst. Warum ringest dudoch mit deinen Wünschen immerdar nach etwas Andern:,warum vergissest du über das Bessere, was du begehrst, dasGute, was dir wirklich schon bcschiedcn war? Willst du, gleicheinem eigensinnigen Thoren, hungrig von dem mit Speisenbesetzten Tische aufstchen, weil du immer auf die köstlichemSpeisen vergebens wartest? Siehe, ein Tag fliegt um denandern vorüber, eine Woche um die andere, und was ungenossendahineilte, ist dir auf ewig entzogen. Wie lange willst du nocheinbüßen? Werweiß, ob nicht dein Leben früher endet, alsdu dein Ziel erreichen kannst, nach welchem du dich mit un-ruhiger Begierde sehnst. Was hättest du dann? was hälfe dirdann deine Unzufriedenheit, dein Trachten nach dem Bessern?Dir war von Gottes Güte auch in deiner wirklichen Lage vielGutes dargeboten, aber, o Unkluger, du verstandest nicht ein-mal dies mit rechter Lebensweisheit zu genießen. Wie wärestdu jemals wohl noch eines größern Looses werth gewesen?
Und du, o Jungfrau! ungewiß ist für die Zukunft deinLoos; ungewiß, ob dir Jemand die Hand als Gatte bietenwird, und wer eö sei! Aber bereite dich vor, so zu werden,daß du künftig mit Keinem vollkommen unglücklich sein könnest.Deswegen erwarte wenig vom Schicksal, das Meiste von dir.