voraus fühlte, ich könne darin nicht ganz glücklich sein. MeineNeigung, mein Herz ward nicht befragt, sonst wäre es anders."
In der That, nichts ist trauriger, als solcher Zustand , dennder Mensch lebt bei demselben in einem unaufhörlichen Wider-spruch mit sich selbst. Seine Sehnsucht schwebt immer über seinenBerufökreis hinweg. Seine geheimen Neigungen stehen beständigim Streit mit den Pflichten, die er üben soll. Es ekeln ihn diegewöhnlichen Geschäfte seines Lebens an, er treibt sie mir lauerGleichgültigkeit, oder wohl gar mit Widerwillen. Er blickt nieohne geheimen Schmerz auf das Loos Anderer, die es besserhaben, oder zu haben scheinen, als er. Er sieht überall in seinenVerhältnissen nur Dornen, statt der Rosen; er beschäftigt sich nurallen übrigen Dingen voll größern Eifers, als mit denen, die erberufsmäßig zu besorgen hat. Darüber erwächst ihm nun man-cherlei Ungemach. Aber selbst die Vorwürfe, die er wegen nach-lässiger Behandlung seiner pflichtmäßigen Arbeiten erfährt, krän-ken ihn nur wenig. Er tröstet sich nur damit, daß es nicht anderssein könne; daß es noch viel sei, wenn es nur so gerathe und gehe,wie es geht und geräth, da er doch Alles ohne Lust und Liebethue. Wäre er in seiner ihm angemessenen Lage; hätte er denStand, das Gewerbe, zu welchem ihn seine Neigungen hinziehen:er würde vortrefflicher, eifriger, ruhmwürdiger erscheinen, alsMancher, der jetzt das bessere Loos hat, aber es nicht zu be-nutzen versteht. Er klagt heimlich seine Aeltern, seine Verwand-ten oder das Schicksal überhaupt an, daß er nicht in der Weltauf demjenigen Platze stehe, wohin er eigentlich gehöre.
Aehnlicher Mißmuth, wie bei den Männern mit dem Beruf,zu welchem sie bestimmt worden sind, quält manches heimlichleidende Weib in Rücksicht der ehelichen Verbindung, zu welcheres genöthigt worden ist. Weibliche Personen haben gewöhnlicheben so wenig freie Wahl in Rücksicht des künftigen Gatten, seinerEigenschaften und feines bürgerlichen Standes, als Jünglingehaben in Rücksicht des zu ergreifenden Berufes. Daher wirddann die Ehe selten so beglückend für das ganze Leben, als sie essein könnte, besonders wenn auch noch Kinder fehlen, die dasleere, freudenlose Herz der Gattin mit schönen Muttergefühlen