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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
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Klage Niemand die Strenge der Lehre Jesu an, welche dieVerirrungen der Einbildungskraft als Sünden verdammt, dieGottes Gericht auffordern. Jesus lehrte himmlische Wahrheit;er kannte des Menschen Natur und dessen beständiges Bemühen,sich vor sich selbst gern zu rechtfertigen. Wir nennen in JesuWorten Strenge, was uns zittern macht, indem wir unsereeigene Sündhaftigkeit darin wie in einem Hellen Spiegel er-kennen. Ja, auch die wollüstigen Verirrungen der Einbildungs-kraft sind schon Verletzungen der Schamhaftigkeit, sind Sündenvor Gott. Denn nicht der Leib kann sündigen, er ist ja nur be-lebter Staub, nur Werkzeug der Seele: sondern der Geist sündigt,weil er allein mit dem freien Willen begabt ist. Er sündige nunin Gedanken oder in äußern Thaten, war beides nicht die Fruchtseines Willens? Er mißbrauche nun seine Einbildungskraft oderseinen Leib: ist beides nicht eine Entwürdigung der GeschenkeGottes zum Bösen?

Nur zu oft hält der Mensch für erlaubt und unschädlich,sich in seinen Vorstellungen jedem Gelüste zu überlassen. Aberwer die Schamhaftigkeit gegen sich selbst verloren, der hat schonkeine Scham mehr, sondern nur noch Furcht und zur Gewohn-heit gewordene Achtung für äußere Sitte. Die gröbsten Ver-brecher beginnen jederzeit mit dem Sündigen im Herzen. Durchihre Vorstellungen machen sie sich schon mit Lastern vertraut,ehe sie solche äußerlich vollziehen.

Hüte deine Einbildungskraft, und besudele nichtmit unreinen Vorstellungen die Unschuld deinesGemüthes! Dies ist die Grundlage aller Tugenden; zerstöresie, und du stehst in einen Engel der Hölle verwandelt da,mögen dich auch die Menschen noch für einen Heiligen achten,weil sie nie Böses von dir sahen. Tändle nicht mit unreinenBegierden: du gaukelst an einem Abgrund, in welchen du umso gewisser hinabstürzcst / je sicherer du dich vor ihm glaubst. Seischamhaft, nicht vor der Welt, sondern gegen dich selbst; so undnicht anders rettest du die Heiligkeit deines Innern, die un-bescholtene Würde deiner unsterblichen S.eele!